ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2013Arbeitszeiten: Teilzeitkräfte sind besser motiviert
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. . . Ob man/frau Karriere machen will oder nicht, hängt nicht davon ab, ob man Teilzeit arbeitet. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Die jungen Eltern sehen ganz klar ihre Prioritäten, und die heißen auch Familie und Kinder.

Es gibt nicht mehr (regelmäßig) den Jungstar der Forschung (männlich), der 70 Stunden und mehr in der Klinik und im Labor verbringt, während ihm seine Frau den Rücken freihält und die Kinder erzieht. Es gibt kaum mehr die jungen Kolleginnen, die mit Familiengründung ihre berufliche Tätigkeit beenden, weil „beides nicht geht“. Gott sei Dank, möchte ich sagen! Die jungen Kolleginnen – und auch ihre Männer! – empfinden aber auch, dass die Politikerversprechen, dass, wenn es nur flächendeckend Krippen gäbe, Karriere in Vollzeit und ein glückliches Familienleben gleichzeitig zu haben wäre, nicht stimmen! Sie empfinden ganz intensiv, dass sie dann sich, ihren Partner und ihre Kinder belügen, dass sie die Familie aufs Spiel setzen und sich abends fragen: „Warum tue ich mir das an?“

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Teilzeit kann organisiert werden. Deswegen muss kein Kollege mehr arbeiten . . . , sondern natürlich kann der Teilzeit-Kollege auch nur mit entsprechend anteiliger Last in die Patientenversorgung eingeteilt werden! Die Weiterbildung in Teilzeit dauert länger: na und? Dafür hat man während der Weiterbildungszeit ein (Familien-)Leben. Das soziale Leben fängt eben nicht erst an, wenn der Facharzt in der Tasche ist! Und wenn Frau Dr. Dassau fragt: „Wie wollen Sie . . . die Versorgung in einem Krankenhaus . . . rund um die Uhr . . . nur mit Teilzeitkräften hinbekommen?“, dann hat sie als Geschäftsführerin nicht viel Professionalität: Wer spricht von „nur Teilzeitkräften“? Und auch gerade Teilzeitkräfte sind durch ihre Flexibilität bestens geeignet, um Lücken im Dienstplan zu füllen: Dienste, die der Vollzeitkollege nicht übernehmen kann, weil er sonst Ruhezeiten nicht einhält und Höchstarbeitszeiten überschreitet! Teilzeitkräfte, die gut nachts arbeiten können, wenn der Partner beim Kind ist. Teilzeitkräfte, die gern Wochenenddienste machen, wenn die Großeltern Zeit für die Kinder haben . . .

Also bitte: Klagt nicht über Teilzeit, weil es das Krankenhaus schwieriger zu organisieren macht: Die Leute sind dafür besser motiviert und weniger ausgepowert!

Unterstellt nicht, dass so keine Karriere geht: Die Karriere wird in Zukunft nach der Kleinkind- und Junge-Familien-Zeit stattfinden . . .

Dr. Ines Pistner, 99094 Erfurt

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