ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2013Syndrom des Trockenen Auges: Deutliche Assoziation mit Fettstoffwechselstörungen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Syndrom des Trockenen Auges: Deutliche Assoziation mit Fettstoffwechselstörungen

Dtsch Arztebl 2013; 110(31-32): A-1490 / B-1312 / C-1296

Gerste, Ronald D.

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Eine Dysfunktion der in den Augenlidern gelegenen Meibom-Drüsen (MGD) gilt als wichtige, möglicherweise sogar häufigste Ursache der in der Bevölkerung weitverbreiteten Sicca-Symptomatik, des trockenen Auges. Typischerweise sind die Ausführungsgänge der Drüsen durch ein in der Zusammensetzung verändertes Sekret verstopft, das erst bei unphysiologisch hohen Temperaturen flüssig wird.

Dieses Problem ist möglicherweise ein Indikator für die Allgemeingesundheit der Betroffenen. So steigt die Wahrscheinlichkeit einer Meibom-Drüsen-Dysfunktion und damit eines trockenen Auges mit zunehmendem Lebensalter. Eine italienische Studiengruppe hat 60 relativ junge MGD-Patienten (durchschnittliches Alter: 37 Jahre) und 63 Kontrollpersonen ohne diese Problematik (durchschnittliches Alter: 36 Jahre) auf die Blutfettwerte hin untersucht. Bei keinem der Studienteilnehmer waren erhöhte Serumcholesterinwerte in der Anamnese bekannt. Die Blutuntersuchung ergab einen deutlichen Unterschied zwischen beiden Gruppen: Eine Hypercholesterinämie (Plasmaspiegel nüchtern ≥ 200 mg/dl) lag bei 58 % der MGD-Patienten, aber nur bei 6 % der Kontrollpersonen vor. Bei einem „cutoff“ von ≥ 180 mg/dl fielen 81 % der MGD-Patienten und 25 % der Kontrollen in die Gruppe mit erhöhtem Cholesterinwert. Die Teilnehmer mit der Liddrüsenstörung hatten im Mittel ein Gesamtcholesterin von 210,8 mg/dl (Kontrolle: 162,9 mg/dl), einen LDL-Wert von 127,6 mg/dl (Kontrolle: 94,2 mg/dl) und einen HDL-Wert von 61,6 mg/dl (Kontrolle: 52,5 mg/dl). Auch bei den Triglyceriden gab es Unterschiede: 8,3 % der Patienten mit einem Wert von mehr als 150 mg/dl gegenüber 1 % bei den Kontrollen. Die Differenz war nicht signifikant.

Fazit: Jüngere Menschen (< 55 Jahre) mit einer Dysfunktion der Meibom-Drüsen haben häufig stark erhöhte Serumcholesterinwerte. Die MGD könnte damit ein Marker für gesundheitsgefährdend hohe Cholesterinwerte sein, so dass sich aus dem ophthalmologischen Befund ein erster Hinweis auf einen wesentlichen kardiovaskulären Risikofaktor ergebe. Noch reiche die Datenlage nicht aus, um eine obligatorische Blutfettuntersuchung bei symptomatischer MGD zu empfehlen, resümieren die Autoren. Betroffene sollten über die Zusammenhänge informiert und es sollte eine Empfehlung in Form der Einzelfallentscheidung gegeben werden.

Dr. med. Ronald D. Gerste

Pinna A, Blasetti F, Zinellu A, et al.: Meibomian gland dysfunction and hypercholesterolemia. Ophthalmology. 2013 Jun 6. doi: pii: S0161–6420(13)00411–9. 10.1016/j.ophtha. 2013.05.002. MEDLINE

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