ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2013Mammakarzinom: Brustimplantate erschweren die Krebsfrüherkennung

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Mammakarzinom: Brustimplantate erschweren die Krebsfrüherkennung

Dtsch Arztebl 2013; 110(31-32): A-1491 / B-1313 / C-1297

Siegmund-Schultze, Nicola

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Im Jahr 2011 haben sich Schätzungen zufolge circa 24 300 Frauen in Deutschland die Brust mit Implantaten vergrößern lassen (1). Frühere Studien ergaben Hinweise darauf, dass Brustimplantate eine frühe Diagnose von Mammakarzinomen erschweren könnten: Insbesondere bei subglandulär platzierten Implantaten wirft das Füllmaterial bei der Mammographie einen Strahlenschatten auf die Brustdrüse. Außerdem können Implantate die für die Untersuchung nötige Kompression der Brust erschweren, sie könnten aber auch den Tastbefund erleichtern. Insgesamt ist die Datenlage zu dieser Fragestellung heterogen.

Mittels systematischer Literaturrecherche ist nun untersucht worden, ob es Unterschiede gibt in den Stadien der Mammakarzinome bei Erstdiagnose zwischen Frauen mit und ohne Implantaten und ob sich die durchschnittlichen Überlebenszeiten nach Diagnose zwischen beiden Gruppen unterscheiden (2). Eingeschlossen wurden Untersuchungen mit Mammakarzinompatientinnen, bei denen die Brust durch Implantate vergrößert war.

In die erste Metaanalyse mit der Fragestellung nach unterschiedlicher Stadienverteilung erstdiagnostizierter Mammakarzinome sind zwölf Beobachtungsstudien eingegangen. Das Risiko, dass ein Mammakarzinom bei Diagnose bereits fortgeschritten war, war bei Frauen mit Implantaten um 26 % erhöht im Vergleich zu Frauen mit Brustkrebs ohne Implantate (Hazard Ratio 1,26; 95-%-Konfidenzintervall 0,99–1,60; p = 0,058). Eine statistische Signifikanz wurde damit knapp verfehlt.

Die zweite Metaanalyse von fünf Studien erfolgte auf die Frage, ob sich das Überleben von Brustkrebspatientinnen mit und ohne Implantate unterscheidet. Die Wahrscheinlichkeit für eine brustkrebsspezifische Mortalität war unter Implantatträgerinnen um 38 % erhöht im Vergleich zu Patientinnen ohne Implantat. In beiden Metaanalysen allerdings gebe es Schwächen der eingeschlossenen Untersuchungen, so die Autoren: Zum Teil seien das Alter der Patientinnen und der Zeitraum nach Diagnose nicht berücksichtigt worden. Bei den Studien zur Brustkrebssterblichkeit fehlten Angaben zum Body-mass-Index.

Hazard Ratios für die Assoziation zwischen kosmetischen Brustimplantaten und Brustkrebsspezifischer Mortalität (fünf Studien und Gesamt-Hazard-Ratio)
Hazard Ratios für die Assoziation zwischen kosmetischen Brustimplantaten und Brustkrebsspezifischer Mortalität (fünf Studien und Gesamt-Hazard-Ratio)
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Hazard Ratios für die Assoziation zwischen kosmetischen Brustimplantaten und Brustkrebs­spezifischer Mortalität (fünf Studien und Gesamt-Hazard-Ratio)

Fazit: Zwei aktuelle Metaanalysen stärken Hinweise aus früheren Studien darauf, dass Brustimplantate die Diagnose des Mammakarzinoms in frühen Stadien erschweren und das Risiko für die Sterblichkeit durch Brustkrebs erhöhen. „Jedem klinisch tätigen Radiologen ist bekannt, dass Implantate – vor allem die präpektoral inserierten Silikonkissen – die Diagnose von Brustkrebs mittels Mammographie und auch Sonographie erschweren, manchmal sogar unmöglich machen“, erläutert die Radiologin Prof. Dr. med. Christiane Kuhl von er RWTH Aachen. Die stark beeinträchtigte Früherkennung könne Einfluss auf die Brustkrebssterblichkeit haben. Frauen reagierten regelmäßig überrascht, wenn man sie bei einer Früherkennungsuntersuchung über diese Zusammenhänge informiert, sagte Kuhl. „Es wäre unbedingt wünschenswert, wenn eine entsprechende Aufklärung vor kosmetischen Eingriffen zur Brustvergrößerung erfolgen würde.“ Die Einschränkungen für die Früherkennung gälten im Wesentlichen für die Mammographie, weniger für die Mammasonographie. Die MR-tomographische Früherkennung werde durch Brustimplantate gleich welcher Art nicht beeinträchtigt.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen; Mitteilung vom 14. 06. 2013.
  2. Lavigne E, Holowaty EJ, Pan SY, Villeneuve J, et al.: Breast cancer detection and survival among women with cosmetic breast implants: systematic review and meta-analysis of observational studies. BMJ 2013; 346: f2399. MEDLINE
Hazard Ratios für die Assoziation zwischen kosmetischen Brustimplantaten und Brustkrebsspezifischer Mortalität (fünf Studien und Gesamt-Hazard-Ratio)
Hazard Ratios für die Assoziation zwischen kosmetischen Brustimplantaten und Brustkrebsspezifischer Mortalität (fünf Studien und Gesamt-Hazard-Ratio)
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Hazard Ratios für die Assoziation zwischen kosmetischen Brustimplantaten und Brustkrebs­spezifischer Mortalität (fünf Studien und Gesamt-Hazard-Ratio)

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