ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2013Krankenhaus: Fallzahlen leicht gesunken

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Krankenhaus: Fallzahlen leicht gesunken

Dtsch Arztebl 2013; 110(31-32): A-1467 / B-1291 / C-1275

Osterloh, Falk

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Die Verweildauer im Krankenhaus wird kürzer, die Zahl der Behandlungsfälle bei psychischen Erkrankungen steigt. Das sind zwei der Ergebnisse des Krankenhausreports der Barmer-GEK. Ein weiteres: Auch die Anzahl der Darmkrebspatienten nimmt ab.

Ein seit 2006 anhaltender Trend setzte sich im vergangenen Jahr nicht fort: War die Zahl der Behandlungsfälle im Krankenhaus seit diesem Jahr von 175 je 1 000 Versicherte auf 190 im Jahr 2011 gestiegen, so sank sie im vergangenen Jahr wieder leicht auf 189. Das ergab der Krankenhausreport 2013 der Barmer-GEK, der auf den Daten der 8,7 Millionen Versicherten der Krankenkasse beruht. Für den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden liegen die Fallzahlen dennoch zu hoch. „Wir sind der Meinung, dass die Mengenentwicklung im Krankenhaus angegangen werden muss“, sagte Dr. Rolf-Ulrich Schlenker bei der Vorstellung des Reports am 23. Juli in Berlin. Er fordert, die bis 2014 vorgeschriebenen Mehrleistungsabschläge über dieses Jahr hinaus zu verlängern.

„Krebsfrüherkennung wirkt“

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Ein anderer Trend setzte sich hingegen fort: Die fallbezogene Verweildauer im Krankenhaus wurde kürzer von 8,4 auf 8,3 Tage – dem niedrigsten bislang gemessenen Stand. 1990 lag sie noch bei 13,4 Tagen. Maßgeblich dafür sei insbesondere der Rückgang der Behandlungszeiten unter Diagnosen von Krankheiten des Kreislaufsystems, heißt es in dem Report. Die Dauer einer Krankenhausbehandlung infolge solcher Erkrankungen reduzierte sich seit 1990 von 380 auf 213 Behandlungstage je 1 000 Versicherte. Im selben Zeitraum verlängerte sich die Behandlungsdauer einer psychischen Störung von 175 auf 293 Behandlungstage je 1 000 Versicherte. Die häufigsten Diagnosen entfielen im vergangenen Jahr auf „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol“, gefolgt von der Herzinsuffizienz sowie dem Vorhofflattern und -flimmern (Grafik).

Top 15 der Krankenhausdiagnosen
Top 15 der Krankenhausdiagnosen
Grafik
Top 15 der Krankenhausdiagnosen

Schwerpunktthema des Reports war in diesem Jahr die Versorgung von stationär behandelten Darmkrebspatienten. Deren Zahl sank seit 2005 von 11,71 auf 9,28 Patienten je 10 000 Personen. „Da die Häufigkeit, mit der Darmkrebs auftritt, nicht substanziell gesunken ist, gehen wir davon aus, dass er öfter so früh erkannt wird, dass eine Behandlung im Krankenhaus nicht mehr nötig ist“, erklärte Prof. Dr. med. Eva Maria Bitzer vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung, das den Report im Auftrag der Barmer-GEK verfasst hat. Zudem werden heute in der Darmkrebstherapie häufiger laparoskopische Operationsverfahren angewandt. Der Anteil dieser Eingriffe stieg seit 2005 von fünf auf 15 Prozent – der Anteil offen-chirurgischer Eingriffe sank hingegen von 81 auf 70 Prozent.

„Sehr viel spricht dafür, dass das gesetzlich vorgeschriebene Früherkennungsprogramm wirksam ist“, kommentierte Schlenker die gesunkene Zahl der Darmkrebspatienten. Dieses Programm sieht neben ärztlichen Beratungen ab dem 50. Lebensjahr einen jährlichen Stuhltest und ab dem 55. Lebensjahr zwei Stuhltests pro Jahr sowie bis zum Lebensende zwei Darmspiegelungen vor. Dieses Angebot nehmen allerdings nur 2,6 Prozent der Anspruchsberechtigten wahr (DÄ, 43/2010). Um eine höhere Quote zu erreichen, haben im Juni das Ge­sund­heits­mi­nis­terium, die Kassenärztliche Vereinigung und die Techniker-Krankenkasse in Bayern ein Modellprojekt begonnen, bei dem in den nächsten drei Jahren die entsprechenden Patienten angeschrieben und über die Möglichkeiten der Vorsorge informiert werden sollen.

Falk Osterloh

Top 15 der Krankenhausdiagnosen
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Grafik
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Avatar #97143
michelvoss
am Donnerstag, 5. September 2013, 11:51

Alkohol noch bedeutender als hier aufgeführt -

weil Herzinsuffizienz z.T. auch darauf zurückzuführen ist - ganz zu schweigen von Leberzirrhose, die nicht hier aufgeführt ist, weil sie nicht zu den Top 15 gehört.
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