ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2013Hundehautwurm in Stechmücken gefunden

AKTUELL: Akut

Hundehautwurm in Stechmücken gefunden

Dtsch Arztebl 2013; 110(31-32): A-1466 / B-1290 / C-1274

Grunert, Dustin

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Erstmals wurde in Deutschland der Erreger Dirofilaria repens (Hundehautwurm), der bei einer Übertragung auf den Menschen zur eosinophilen Meningoenzephalitis führen kann, in heimischen Stechmücken nachgewiesen. Wie das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) mitteilt, wurde der Zoonoseerreger in mehreren Stechmückenfängen aus den Jahren 2011 und 2012 im Raum Eberswalde in Brandenburg gefunden.

Bisher war die Filarienart vor allem in Südeuropa, aber auch in Asien und Afrika beheimatet. Dass der Erreger nun auch in nördlich gelegene Regionen vorgedrungen ist, könnte dem Klimawandel geschuldet sein, so das BNI. Denn die Entwicklung infektionstüchtiger Larven in Stechmücken ist temperaturabhängig und konnte bisher in Deutschland nicht beobachtet werden. „Da wir den Parasiten in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gefunden haben, liegt der Verdacht nahe, dass zumindest in Brandenburg bereits eine stabile Übertragung stattfindet“, erklärt Prof. Dr. med. Egbert Tannich. „In unserem Institut wurden in den letzten Jahren etwa 30 Fälle dieser Fadenwurminfektion beim Menschen nachgewiesen – bisher standen alle Fälle im Zusammenhang mit Auslandsreisen“, beschreibt Tannich die derzeitige Infektionsgefahr.

Ein weiterer Grund für die Verbreitung in Mitteleuropa sind Hunde, die aus Südeuropa eingeführt werden. Hunde und Wildtiere wie Marder und Füchse bilden das Hauptreservoir von Dirofilaria repens. Eine akzidentelle Übertragung auf den Menschen erfolgt durch Stechmücken. In den meisten Fällen entwickeln sich die Würmer im menschlichen Organismus jedoch nicht zur Geschlechtsreife und sterben ab, was meist zu wandernden Schwellungen und Knoten in der Haut führt. Prämature Parasiten können auch im Auge von Patienten nachgewiesen werden und müssen daraufhin operativ entfernt werden.

Anzeige

Selten fällt eine Infektion im Zuge einer Biopsie oder auf Röntgenaufnahmen der Lunge auf. In Einzelfällen, wenn die Larven die Geschlechtsreife erreichen, können die Mikrofilarien beim Menschen allerdings generalisierte Erkrankungen – wie die eosinophile Meningoenzephalitis – auslösen.

Die Verbreitung von Dirofilaria repens scheint schon länger voranzuschreiten. In den letzten Jahren konnten mehrere Fälle von autochthonen Infektionen bei Hunden nachgewiesen werden, in deren Organismus die Parasiten unbehandelt bis zu sieben Jahre überleben können. gru

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema