ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2013Krebstherapie im Kindesalter: Die Rate an Spätkomplikationen ist hoch

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Krebstherapie im Kindesalter: Die Rate an Spätkomplikationen ist hoch

Dtsch Arztebl 2013; 110(31-32): A-1490 / B-1312 / C-1296

Vetter, Christine

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Welche Spätkomplikationen einer Krebsbehandlung im Kindesalter in welcher Häufigkeit auftreten, war Fragestellung einer systematischen klinischen Untersuchung (St. Jude Lifetime Cohort Study) in den USA mit 1 713 Erwachsenen (18 bis 60 Jahre; Mittelwert: 32 Jahre). Die Erkrankung lag im Mittel 25 Jahre (10–47 Jahre) zurück. 65,2 % der früheren Krebspatienten hatten eine Störung der Lungenfunktion (95-%-Konfidenzintervall [KI] 60,4– 69,8 %), 62,1 % eine Hörminderung (95-%-KI 55,8–68,2 %), 62,0 % eine Störung des endokrinen oder reproduktiven Systems (95-%-KI 59,5–64,6 %), 56,4 % eine Herzerkrankung (95-%-KI 53,5–59,2 %) und 48,0 % neurokognitive Beeinträchtigungen (95-%-KI 44,9–51,0 %). Weniger häufig waren Leberfunktionsstörungen (13,0 %), eine Osteoporose (9,6 %), renale Störungen (5,0 %) sowie hämatopoetische Auffälligkeiten (3,0 %). Bei 50-jährigen Langzeitüberlebenden mit entsprechend risikobehafteter Krebstherapie lag die geschätzte kumulative Prävalenz für eine Kardiomyopathie bei 21,5 %, für Herzklappendefekte bei 83,5 %, für eine pulmonale Störung bei 81,3 % und für das Auftreten eines Mammakarzinoms bei 40,9 %. Die geschätzte kumulative Prävalenz für eine allgemeine chronische Erkrankung als Folge der Krebstherapie betrug bei 45-Jährigen 95,5 % (95-%-KI 94,8–98,6 %), das Risiko für eine schwere, mit Behinderungen einhergehende oder potenziell lebensbedrohliche Erkrankung wurde für diese Altersgruppe mit 80,5 % (95-%-KI 73,0–86,6 %) ermittelt.

Kumulative Prävalenz von Herzklappenerkrankungen als Spätkomplikation von Krebstherapien im Kindesalter vor und nach Aufnahme in die St. Jude Lifetime Cohort Study (SJLIFE)
Kumulative Prävalenz von Herzklappenerkrankungen als Spätkomplikation von Krebstherapien im Kindesalter vor und nach Aufnahme in die St. Jude Lifetime Cohort Study (SJLIFE)
Grafik
Kumulative Prävalenz von Herzklappen­erkrankungen als Spätkomplikation von Krebstherapien im Kindesalter vor und nach Aufnahme in die St. Jude Lifetime Cohort Study (SJLIFE)

Fazit: In der Studie erfolgte laut Prof. Dr. med. Thorsten Langer, Oberarzt an der Kinder- und Jugendklinik des Universitätsklinikums Erlangen und Leiter des Studienzentrums LESS (Late Effects Surveillance System), erstmals bei einem derart großen Kollektiv eine systematische klinische Untersuchung zur Erfassung von Spätfolgen einer Krebsbehandlung im Kindes- und Jugendalter. Langer zufolge wurde eine erstaunlich hohe Rate an gesundheitlichen Beeinträchtigungen und manifesten Erkrankungen, die auf die frühere Krebserkrankung und deren Behandlung zurückzuführen sind, entdeckt. „Die Daten sind umso bemerkenswerter, als in der Erhebung bei den Probanden auch bis dato unbekannte Erkrankungen diagnostiziert wurden. Die erschreckenden Befunde unterstreichen die enorme Bedeutung einer strukturierten Nachsorge bei Kindern und Jugendlichen nach überstandener Krebserkrankung“, so das Fazit des Kinderonkologen.

Christine Vetter

Hudson MM, et al.: Clinical ascertainment of health outcomes among adults treated for childhood cancer. JAMA 2013; 309: 2371–81. MEDLINE

Kumulative Prävalenz von Herzklappenerkrankungen als Spätkomplikation von Krebstherapien im Kindesalter vor und nach Aufnahme in die St. Jude Lifetime Cohort Study (SJLIFE)
Kumulative Prävalenz von Herzklappenerkrankungen als Spätkomplikation von Krebstherapien im Kindesalter vor und nach Aufnahme in die St. Jude Lifetime Cohort Study (SJLIFE)
Grafik
Kumulative Prävalenz von Herzklappen­erkrankungen als Spätkomplikation von Krebstherapien im Kindesalter vor und nach Aufnahme in die St. Jude Lifetime Cohort Study (SJLIFE)

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