ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2013Neuer Überwachungsskandal: Ärzte sollen millionenfach Bürger abgehört haben

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Neuer Überwachungsskandal: Ärzte sollen millionenfach Bürger abgehört haben

Dtsch Arztebl 2013; 110(31-32): A-1480 / B-1303 / C-1287

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Foto: iStockphoto
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Nachdruck aus „Der Postillon“ – mit freundlicher Genehmigung


Droht nach den jüngsten Enthüllungen über PRISM und TEMPORA bereits der nächste handfeste Überwachungsskandal? Dem Postillon liegen Dokumente vor, aus denen hervorgeht, dass unbescholtene Bürger jahrzehntelang systematisch von Ärzten abgehört worden sind. Die Mediziner – eigentlich Vertrauenspersonen – sollen dafür unter anderem sogenannte Stethoskope verwendet haben.

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Regelmäßiges Ziel der umfassenden Abhörmaßnahmen seien vor allem innere Organe wie Lunge und Herz gewesen. Auffälligkeiten und Abweichungen von der Norm wurden akribisch protokolliert. Bei bestehendem Anfangsverdacht kamen außerdem nicht selten weitere Hightechgeräte zum Einsatz, mit denen die Betroffenen, im Ärztejargon auch „Patienten“ genannt, buchstäblich durchleuchtet wurden.

Finanziert und koordiniert wurden und werden die Abhöraktionen von einem komplizierten Geflecht aus teils privaten, teils staatlichen Organisationen, die unter Kodenamen wie AOK und Barmer auf dem gesamten Bundesgebiet operieren beziehungsweise operieren lassen.

Ein Insider, der selbst jahrelang Patienten abgehört hat, erklärt die Praxis: „Wir checken jeden genauestens durch, fragen nach Krankheiten, Ernährung, Privatleben. Bemerken wir etwa einen beschleunigten Herzschlag oder ungewöhnliches Schwitzen, werden weitere Maßnahmen ergriffen. Wir suchen dann auch im familiären Umfeld nach ähnlich auffälligem Verhalten.“ Ferner gehöre es zur Praxis, Medikamente zu verabreichen. Bei mangelnder „Kooperation“ habe es überdies in der Vergangenheit sogar Todesfälle gegeben.

Bei den Verantwortlichen allerdings spielt man den Skandal herunter. Die Ärztekammer etwa ließ mitteilen: „(. . .) Sämtliche Operationen sind vom Patienten genehmigt. Wenn abgehört wird, dann ausschließlich zum Wohl und im Interesse der Bürger. (. . .)“

Jedoch geht aus den Dokumenten auch hervor: In sogenannten Vorsorgeuntersuchungen sollen auch gezielt Patienten untersucht worden sein, für die zu diesem Zeitpunkt gar kein Befund vorlag. Die rechtliche Grundlage dafür ist umstritten.

Die von der Opposition geforderte „Aufklärung“ hat man von offizieller Seite bisher nur Pubertierenden versprochen – in den nächsten Tagen wird jedoch eine umfassende Stellungnahme erwartet.

Quelle: www.der-postillon.com

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