GELDANLAGE

Börsebius: BRIC ist out

Dtsch Arztebl 2013; 110(31-32): A-1504 / B-1324 / C-1308

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Normalerweise sind Chefvolkswirte eher Leute im Hintergrund mit einem gewissen Hang zur Trockenheit, denen zuweilen auch noch alltagstaugliches Handeln abgesprochen wird. Bei Jim O’Neill, Banker von Goldman Sachs, war das alles ganz anders. Der Mann kann vielmehr für sich beanspruchen, einen Begriff kreiert zu haben, dem Herrscharen seiner Zunft willig folgten: BRIC.

BRIC, diese vier Buchstaben stehen für Brasilien, Russland, Indien und China, und sein Erfinder hatte vor zwölf Jahren in einer aufsehenerregenden Studie vorhergesagt, dass diese vier Staaten in der Weltwirtschaft steil nach oben steigen würden. Die gesamte Finanzbranche reagierte begeistert und warf ein BRIC-Produkt nach dem anderen auf den Markt, BRIC-Fonds, BRIC-Zertifikate, BRIC-Indices und was weiß der Teufel noch alles.

Das alles ging auch jahrelang gut, die Anleger jubelten über die stolzen Gewinne und priesen ihre Banker als Gurus. Doch das ist alles Schnee von gestern. Auf BRIC spezialisierte Aktienfonds verloren in diesem Jahr gut 13 Prozent ihres Werts, und auf Sicht von fünf Jahren beklagen manche Anleger bereits einen Verlust von 40 Prozent.

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Was sich als Hoffnungsträger par excellence anfühlte, entpuppte sich am Ende als ausgewachsenes Sorgenkind, und das buchstäblich über jeden Buchstaben der vier Kürzelstaaten hinweg. Um Brasilien machen Finanzinvestoren mittlerweile einen Riesenbogen, weil die sozialen Proteste zunehmen und dort nach wie vor eine extrem hohe Kriminalitätsrate herrscht. In Russland ist die Investitionsstimmung völlig am Boden, mit anderen Worten, der Putin-Malus ist riesengroß. Die jüngste Verurteilung des russischen Oppositionsführers Alexej Nawalnij führte an der Moskauer Börse zu einem eklatanten Kurssturz und kostete die Anleger die horrende Summe von 8,6 Milliarden Dollar.

In Indien fällt die Rupie von einem Loch ins nächste. Sorgen machen dort auch gigantische bürokratische Auswüchse. Die Wachstumsraten reichen auch nicht, um von einer wirklichen Erholung auf dem Subkontinent sprechen zu können. Und in China, dem wohl die größten Fantasien zugesprochen wurden, sind die Zeiten exorbitanter Wachstumsraten offenbar endgültig vorbei. Hinzu kommt eine immer offenbarer werdende Immobilienblase.

Wer genauer hingesehen hat, der konnte im Grunde aber von Anfang an das Scheitern der BRIC-Euphorie mit einkalkulieren. Natürlich gab es die kolportierten Riesenwachstumszahlen. Aber das ist bei Volkswirtschaften, die von einer niedrigen Basis aus starten, eigentlich immer so. Ökonomisch ausgereifte Länder wie Deutschland oder die USA können gar nicht so zulegen, weil die Basis eben bereits sehr viel breiter ist.

Diese Binsenweisheit aus den ersten Semestern der Makroökonomie elegant in den BRIC’schen Lobhudeleien zu verstecken und daraus eine geniale Anlageidee zu stricken, war bereits im Grunde ein Sirenenklang, dem Banker und Anleger gleichermaßen bereitwillig folgten. Eine Falle war es gleichwohl. Und ist es noch.

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