ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2013Medizinische Fachangestellte: Notwendige Tarifsteigerungen

POLITIK

Medizinische Fachangestellte: Notwendige Tarifsteigerungen

Dtsch Arztebl 2013; 110(31-32): A-1472 / B-1296 / C-1280

Bristrup, Rosemarie

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Foto: Fotolia/creative studio
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Mit dem neuen Tarifvertrag wird ein weiterer wichtiger Schritt zur Aufwertung der Rolle von MFA in der ambulanten medizinischen Versorgung vollzogen.

Die Tarifpartner der niedergelassenen Ärzte und der Medizinischen Fachangestellten (MFA) haben sich in der dritten Tarifrunde am 9. Juli 2013 auf einen neuen Gehaltstarifvertrag (siehe in diesem Heft unter Bekanntgaben der Herausgeber) mit Laufzeit vom 1. April 2013 bis zum 31. März 2016 geeinigt. In zwei Stufen werden die Gehälter innerhalb von drei Jahren erhöht: ab dem 1. September 2013 um 4,5 Prozent, ab dem 1. April 2014 um 3,0 Prozent. Für die fünf Monate von April bis August 2013 gibt es im September eine Einmalzahlung in Höhe von 375 Euro für alle Vollzeitbeschäftigten, für Teilzeitbeschäftigte anteilig. Das Volumen enthält zugleich eine sogenannte Strukturkomponente aufgrund einer umfassenden Reform der Gehaltstabelle. Erstmals wird ab 2014 ein Eingangsstundenlohn für Berufsanfängerinnen von zehn Euro erreicht. Die Ausbildungsvergütungen steigen ab September 2013 in allen drei Ausbildungsjahren um je 30 Euro monatlich, das heißt im ersten Ausbildungsjahr von derzeit 610 Euro auf 640 Euro, im zweiten Ausbildungsjahr von 650 Euro auf 680 Euro, im dritten Ausbildungsjahr von 700 Euro auf 730 Euro. Auszubildende erhalten eine Einmalzahlung von 150 Euro für April bis August. Jeweils ab dem 1. April 2014 und 2015 steigen die Ausbildungsvergütungen um weitere 30 Euro monatlich pro Ausbildungsjahr auf 670/710/760 Euro beziehungsweise 700/740/790 Euro. Die Einspruchsfrist der Tarifpartner endete am 19. Juli 2013.

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Geänderte Gehaltsstruktur

Kernstück des Abschlusses ist eine geänderte Vergütungsstruktur. Die bisherige Vergütungstabelle aus dem Jahr 1991 bildet die qualifikatorischen, rechtlichen und Versorgungsbedingungen nicht mehr adäquat ab. Sie war so weiterzuentwickeln, dass sie den künftigen Anforderungen an die Patientenversorgung im ambulanten Bereich, an die Einsatzbereiche von Medizinischen Fachangestellten und die Delegation ärztlicher Leistungen sowie an die hierfür erforderliche Fortbildung Rechnung trägt. Außerdem mussten Vorgaben des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes hinsichtlich altersbezogener Diskriminierungsfreiheit umgesetzt werden.

Die neue Gehaltstabelle umfasst zwei zusätzliche Tätigkeitsgruppen (V und VI), mit denen Qualifikationen im Umfang von mindestens 360 beziehungsweise mindestens 600 Stunden abgebildet werden können. Tätigkeitsgruppe V stellt im Wesentlichen eine Höherstufung der Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung, der „ersten“ Leitungsebene im Team, dar (bisher Tätigkeitsgruppe IV). Tätigkeitsgruppe VI wurde als neue Einstufungsgruppe geschaffen, um betriebswirtschaftliche und Managementtätigkeiten auf der „mittleren“ Leitungsebene abzubilden. Die bisherigen Tätigkeitsgruppen II und III gehen in d

Ab 1. 9. 2013 gilt folgende Gehaltstabelle für Vollzeitbeschäftigte
Ab 1. 9. 2013 gilt folgende Gehaltstabelle für Vollzeitbeschäftigte
Tabelle
Ab 1. 9. 2013 gilt folgende Gehaltstabelle für Vollzeitbeschäftigte
ie drei Gruppen II, III und IV auf, welche stärker differenziert sind.

Die Eingruppierungskriterien und die Beschreibung aller Tätigkeitsgruppen wurden überarbeitet. Neben der Anzahl von Fortbildungsstunden und/oder erforderlicher Berufserfahrung spielen für die Eingruppierung die Breite und Tiefe von Fachkenntnissen, der Grad an Selbstständigkeit und die Übernahme von Leitungsaufgaben eine Rolle. Jede Tätigkeitsgruppe ist mit Beispielen für Qualifizierungsmaßnahmen hinterlegt, die aber keine abschließende Liste darstellen. Darüber hinaus wurden die Strukturzuschläge für alle Tätigkeitsgruppen, bezogen auf die Basisgruppe I, zum Teil deutlich angehoben.

Die Einstufung nach Berufsjahren erfolgt künftig in den Berufsjahrstufen eins bis fünf mit neuer Einteilung: Vier Stufen umfassen jeweils vier Berufsjahre; alle Beschäftigten ab dem 17. Berufsjahr werden in einer fünften Berufsjahrstufe zusammengefasst. Weitere Gehaltssteigungen allein wegen der Dauer der Berufserfahrung sind künftig nicht mehr möglich, sondern erfolgen gegebenenfalls aufgrund von nachgewiesener Qualifikation beziehungsweise Fortbildung und sich daraus ergebender Höhergruppierung.

Höhere Ausbildungsvergütung

Die neue Gehaltsstruktur bildet das breitgefächerte Feld von Qualifizierungs-, Spezialisierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für MFA besser ab. Systematische Fortbildung soll sich durch Höhergruppierung auszahlen. Die Attraktivität des Berufsbildes wird durch die Möglichkeit des persönlichen Fortkommens – unterlegt durch ein attraktives Gehaltsgefüge – gesteigert. Dies ist auch ein wichtiger Aspekt für die Rekrutierung von Personal vor dem Hintergrund des demografisch bedingten Fachkräftemangels. Um für Schulabgänger attraktiv zu bleiben, werden zusätzlich die Ausbildungsvergütungen während der Laufzeit des Vertrages bis 2015 um insgesamt 90 Euro pro Ausbildungsjahr angehoben. Damit wird die Vergleichbarkeit mit anderen Ausbildungsbereichen hergestellt.

Vertretbare Gehaltssteigerung

Da im Bundesdurchschnitt etwa
50 Prozent der ärztlichen Arbeitgeber den Tarifvertrag freiwillig zum Inhalt der Arbeitsverträge machen, wird durch das Instrument des Tarifvertrags ein weiterer wichtiger Schritt zur Aufwertung der Rolle von Medizinischen Fachangestellten in der ambulanten medizinischen Versorgung vollzogen. MFA sind für die Unterstützung und zur Entlastung des Arztes unverzichtbar. Ein tariflicher Eingangsstundenlohn von zehn Euro ist nicht nur angemessen, sondern ein wichtiges Signal auch im Zusammenhang mit der Mindestlohndebatte.

In Anbetracht der Entwicklung von Einnahmen, Aufwendungen und Jahresüberschüssen in der ambulanten Versorgung seit 2007, der 2013 wirksam werdenden Erhöhungen der Gesamtvergütung und der ab Oktober 2013 vorgesehenen weiteren Strukturverbesserungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab für die haus- und fachärztlichen Leistungen war aus Sicht der ärztlichen Arbeitgeber zum jetzigen Zeitpunkt ein gewisser Spielraum für Gehaltsanpassungen der MFA gegeben. Durch die Kappung der Berufsjahrsteigungen wird es voraussichtlich wegen der zunehmend größer werdenden Gruppe älterer Arbeitnehmerinnen schon mittelfristig zu kompensatorischen Effekten hinsichtlich der höheren Strukturzuschläge bei den neu gestalteten Tätigkeitsgruppen kommen.

Um die neue Struktur umzusetzen, werden Gespräche zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmerinnen zur Neueinstufung und Gehaltsanpassung notwendig sein. Hierfür gibt der Gehaltstarifvertrag Hilfestellung durch entsprechende Übergangsregelungen, die den MFA in bestimmten Fällen Besitzstandswahrung garantieren. Die Protokollnotiz IV zum Tarifvertrag erläutert dies ergänzend: Die Besitzstandsregelung ist ausschließlich in der neuen Tarifstruktur begründet. Sie gilt nicht bei Änderungen der Vergütung und Eingruppierung aus anderen Gründen. Solche Änderungen aus betrieblichen, persönlichen oder sonstigen Gründen können einvernehmlich oder auch einseitig unter Beachtung der gesetzlichen Anforderungen erfolgen. Durch die mehrjährige Laufzeit soll dem Umsetzungsprozess die notwendige Zeit gegeben werden.

Rosemarie Bristrup,
Bundes­ärzte­kammer

@Die Änderungen im neuen Gehaltstarifvertrag im Detail: www.aerzteblatt.de/131472

Ab 1. 9. 2013 gilt folgende Gehaltstabelle für Vollzeitbeschäftigte
Ab 1. 9. 2013 gilt folgende Gehaltstabelle für Vollzeitbeschäftigte
Tabelle
Ab 1. 9. 2013 gilt folgende Gehaltstabelle für Vollzeitbeschäftigte
  • MFA: Unmut
    Dtsch Arztebl 2013; 110(44): A-2083 / B-1842 / C-1798
    Becke, Sabine

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Avatar #590087
bernert
am Mittwoch, 14. August 2013, 23:12

Datenbank der Adressdaten Ärzteblatt

In Ihrer Datenbank der Adressdaten Ärzteblatt gibt es keine Kinder-u-Jugendärzte!
Mfg ihr sonstiger arzt Dr. Bernert
Avatar #590087
bernert
am Mittwoch, 14. August 2013, 23:08

Tarifvertrag MFA

Tätigkeitsgruppe 2, Stufe 5 ab 17 Berufsjahre beträgt die Steigerung 10 % zum Vorjahr. Wer hat sich verrechnet? Mfg Dr. Bernert
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