ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2013Psychotherapien: Warnhinweise für einen negativen Therapieverlauf

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Psychotherapien: Warnhinweise für einen negativen Therapieverlauf

PP 12, Ausgabe August 2013, Seite 355

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Nicht alle Psychotherapien verlaufen erfolgreich. Welche Hinweise es für einen potenziell ungünstigen Therapieverlauf geben könnte, haben österreichische Psychotherapieforscher um Anton Leitner von der Donau-Universität Krems untersucht. Sie führten eine Internetbefragung unter 2 056 österreichischen Psychotherapiepatienten durch und stellten fest, dass die Mehrzahl mit der therapeutischen Beziehung keine Probleme hatte, keine Belastungen durch die Therapie beklagte und die Therapie erfolgreich beendete.

22 Prozent waren jedoch mit der therapeutischen Beziehung unzufrieden, 13 Prozent fühlten sich durch die Therapie belastet, und 18 Prozent hatten eine Abhängigkeit vom Therapeuten entwickelt und fühlten sich vom sozialen Umfeld nicht genügend unterstützt. 32 Prozent hatten die Therapie vorzeitig abgebrochen.

Patienten, die mindestens drei der genannten Probleme aufwiesen, galten als Hochrisikogruppe für einen negativen Therapieverlauf. In dieser waren vor allem weibliche Patienten mit männlichen Therapeuten sowie Patienten, die mit psychoanalytisch-psychodynamischen Verfahren behandelt wurden. „Andere Geschlechtskonstellationen zwischen Patient und Behandler und die Behandlung mit kognitiv-behavioralen, systemischen oder humanistischen Verfahren gingen hingegen nur selten mit Unzufriedenheit, Belastungen, Abhängigkeiten und vorzeitigen Therapieabbrüchen einher“, sagen die Autoren. Sie plädieren dafür, die Geschlechtskonstellation in Therapien stärker zu berücksichtigen und – falls möglich – geeignetere Konstellationen als „männlicher Therapeut – weiblicher Patient“ auszuwählen. Darüber hinaus nehmen potenzielle Risiken und Misserfolge zu, je länger Therapien andauern. ms

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Leitner A, Märtens M, Koschier A et al.: Patients’ perceptions of risky developments during psychotherapy. Journal of Contemporary Psychotherapy 2013; 43(2): 95–105.

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