ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2013Ausbildung: Risikobehaftetes Kalkül
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Prof. Pritz sieht Deutschland in der Spitzengruppe im Bereich der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung in Europa. Gleichzeitig preist er den Studiengang der Psychologie an der von ihm gegründeten privaten Sigmund-Freud-Universität Berlin (SFU-B) an. Dieser Bachelorstudiengang und gegebenenfalls ein erst noch zu gründender Masterstudiengang Psychotherapiewissenschaft sollen die bisherige Aus-/Weiterbildung von Psychotherapeuten (nach dem Studium der Medizin oder der Psychologie) an Ausbildungsinstituten ersetzen.

Die Anforderungen liegen damit deutlich unter den bisher in Deutschland geforderten Voraussetzungen zur Approbation Psychologischer Psychotherapeuten. Damit konterkariert Prof. Pritz sein oben erwähntes Lob für das gute Ausbildungsniveau Deutschlands. Faktisch impliziert sein Modell ein Downgrading der deutschen Ausbildung auf ein deutlich niedrigeres Niveau.

Das Ausbildungsmodell der SFU-B wird absehbar von den Landesprüfungsbehörden in den deutschen Bundesländern nicht anerkannt werden; die Erteilung einer Approbation in Deutschland wäre ausgeschlossen. Es stellt sich für den Absolventen der SFU-B die Frage, was er mit der Ausbildung angefangen werden kann. Absolventen könnten zurzeit therapeutisch nur über den Umweg eines Heilpraktikers für Psychotherapie tätig werden.

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Aber selbst wenn die Bachelorabsolventen der SFU-B einen Master-abschluss an der SFU in Wien abschließen, ist damit noch keine deutsche Approbation möglich, da, soweit der Abschluss in Österreich erworben wurde, man sich dort nach Abschluss der Ausbildung in die Psychotherapeutenliste eintragen lassen muss, dort (!!) fünf Jahre lang zu praktizieren hat und dann (!!) erst über EU-Recht die Rückkehr nach Deutschland auf einen deutschen Kassensitz betreiben kann (Hintergrund ist, dass nach europäischem Recht nach fünfjähriger Tätigkeit im EU-Ausland die dortige „Eintragung in die Therapeutenliste“ als Äquivalent der deutschen Approbation anerkannt wird).

Auf alle diese Umstände weist Pritz im Interview nicht hin. Sinn machen diese Aussagen deshalb nur, wenn man seitens der SFU-B auf die Direktausbildung auf Bachelor-niveau hofft, die den bisher geforderten Masterabschluss nicht mehr nötig machen würde.

Zusätzlich weist die enge Verbindung von EAP (European Association of Psychotherapy), deren Generalsekretär Prof. Pritz ist, zur SFU-B auf einen anderen Aspekt hin: In Deutschland ist die von der EAP künftig angebotene Zertifizierung von Ausbildungsgängen eine staatliche Aufgabe. Dazu wurden Akkreditierungsagentur, bundesstaatliche Anerkennung von Bildungsabschlüssen und Bildungseinrichtungen streng getrennt. Dass eine private Organisation, wie die EAP, dies leisten möchte und gleichzeitig über Prof. Pritz personell und institutionell mit der gewinnorientierten SFU-Privatuniversität verbunden ist, lässt die Gefahr eines klassischen Interessengeflechts erahnen, das in Deutschland aus gutem Grund ausgeschlossen wurde. Der Wert des von der EAP angebotenen Zertifikats muss in diesem Lichte qualitativ beurteilt werden.

Zusammenfassend kann vermutet werden, dass die Aktivitäten der EAP sowie die Gründung der SFU in Berlin vor dem Hintergrund der in der Diskussion befindlichen Direktausbildung gesehen werden müssen. Die SFU-B setzt offenbar auf diesen Weg, wobei dies nach der Logik des bisher erkennbaren Studiengangs auf eine Absenkung des bisher hohen deutschen Ausbildungsniveaus zur Erlangung einer Approbation als Psychotherapeut hinauslaufen würde. Die Studierenden könnten so zu einem Teil eines risikobehafteten Kalküls der Betreiber der SFU-B werden.

Dr. med. Bernhard Janta, 57319 Bad Berleburg

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