ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2013Honorare: Unrealistische Zahlen
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Da errechnet das Zentralinstitut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (ZI) mal wieder Zahlen, die wie immer belegen, dass wir Psychotherapeuten zu wenig verdienen, und unsere Standesvertreter (Dieter Best vom DPtV, Norbert Bowe vom bvvp und Wolfgang Maier von der DGPPN) erzählen uns Erstaunliches (Best) oder streiten sich, wer am wenigsten verdient oder in der beruflichen Hängematte liegt (Bowe gegen Maier). Echt toll.

Herr Best ist der Meinung, dass eine durchschnittliche Psychotherapeutenpraxis auf einen Praxisgewinn von 80 000 Euro kommt (75 Prozent von 105 000 Euro). Wie macht man das bitte?

Selbst die theoretische Maximalpraxis mit 36 Stunden/Woche kommt nur auf einen Gewinn von etwas mehr als 60 000 Euro, wenn man eine realistische Kostenstruktur ansetzt. Die Berechnungen des ZI gehen von gänzlich unrealistischen Zahlen für die Kosten einer Psychotherapeutenpraxis aus.

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Eine durchschnittliche Praxis sollte bei vielleicht 20 bis 25 Stunden/Woche liegen, das sind dann immer noch gut 30 bis 35 Arbeitsstunden/Woche. Damit kann man bei realistischer Praxisausstattung/-kosten allenfalls 25 000 Euro p. a. Gewinn erwirtschaften. Das sind nach meiner Rechnung nur 24 Prozent des Oberarztgehalts.

Es ist schon verwunderlich, dass unsere Standesvertreter solche Zahlen in die Welt setzen.

Dazu passt es sehr gut, dass sich die Verbände auch noch darüber streiten, wer am wenigsten verdient oder gar darüber, wer sich das Leben mit leichten Patienten bequem macht. Die heutige Jugend würde antworten: „Hallo, geht’s denn noch?“

Was es braucht, ist eine gemeinsame Streitkultur der benachteiligten Fachgruppen, den politischen Zusammenschluss der Verbände. Die Verwaltungsmentalität unserer Berufsverbände muss überwunden werden zugunsten politischer Anspruchshaltungen, die über politische Einflussnahme Umsetzungen finden müssen, die zum Ziel haben, mehr als nur die Verwalter eines BSG-Urteils zu sein. Es braucht politische Visionäre in den Spitzen der Berufsverbände, die eine Berufspolitik betreiben, die sich am Bedarf der Basis orientiert, uns Psychotherapeuten, die alltäglich psychisch kranke und schwerkranke Menschen behandeln und die mit dieser Arbeit auch gerne ihre Familien ernähren können möchten, wie eben jener Oberarzt, der ja eigentlich das Maß aller Dinge sein soll.

Götz Braun, 35037 Marburg

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