ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2013Handbuch zum Berichteschreiben: Eine überwältigende Fülle an Material

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Handbuch zum Berichteschreiben: Eine überwältigende Fülle an Material

PP 12, Ausgabe August 2013, Seite 374

Mackenthun, Gerald

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Für Psychotherapeuten zählt das Schreiben von Berichten an den Gutachter zu den eher unangenehmen Arbeiten. Eine Reihe von Büchern versucht, sie bei der Abfassung der Berichte zu unterstützen und die Prozedur möglichst kurz zu halten. Das jüngste Werk ist das des Kölner Psychologen Ingo Jungclaussen. Auf 350 großformatigen Seiten fasst er seine Erfahrung als Supervisor und Coach zusammen. Für ihn ist das Abfassen von Berichten eine Chance zum vertieften Verständnis des Patienten und zugleich ein wertvoller Beitrag zur Qualitätssicherung der Psychotherapie.

Der Autor befasst sich mit den psychodynamischen Verfahren. Um zu erläutern, auf was es beim Berichteschreiben inhaltlich ankommt, geht er weit in die Geschichte der Tiefenpsychologie zurück. Die 50 Einleitungsseiten zur psychodynamischen Theorie beginnen mit Freuds Triebtheorie. Es folgen 85 Seiten zur Psychodynamik von Konflikt- und weitere 85 zur Psychodynamik von Strukturstörungen. Ein besonderes Merkmal und Eigenschöpfung des Autors ist seine „psychogenetische Konflikttabelle“, deren Erläuterung ein weiteres Drittel des Buches einnimmt. Die restlichen Seiten sind vornehmlich den unterschiedlichen Antragstypen gewidmet. Ausdrücklich wird auf umfangreiches Zusatzmaterial im Internet hingewiesen; es dient den Vertiefungen der Themen. Um es zu lesen, ist eine Registrierung beim Schattauer-Verlag nötig.

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Jungclaussen bringt eine Zusammenfassung aller wichtigen Theorien, auf die in der Psychodynamik Bezug genommen werden kann, sie ist allerdings stark auf die klassische Psychoanalyse geeicht, die den inneren, unbewussten Konflikten eines Menschen den zentralen Stellenwert beimisst. Die vielen Theorien und Modelle in der Tiefenpsychologie muten erneut wie ein Dschungel oder wie ein Flickenteppich an. Innerhalb der psychodynamischen Theorien gibt es keinen Konsens über die Abgrenzung von innerem Konflikt und Struktur. Überzeugend klar sind seine Kriterien für die Abgrenzung einer tiefenpsychologisch fundierten von einer analytischen Therapie. Ätiologische Strukturdefizite und Traumata kommen jedoch etwas zu kurz.

Das Hauptproblem dieses Werkes scheint die überwältigende Menge an Material zu sein; der Autor konnte sich offenbar nicht begrenzen. Seine Formulierungsbeispiele sind – wie in den anderen Handbüchern auch – gerade für Berufsanfänger hilfreich. Doch die angebotene Materialfülle und ihre Unübersichtlichkeit werden Neulinge der dynamischen Psychotherapie vermutlich überfordern. So richtet sich das Buch vor allem an jene, die das Gefühl haben, noch theoretische Lücken zu haben und diese auffüllen wollen. Dr. Gerald Mackenthun

Ingo Jungclaussen: Handbuch Psychotherapie-Antrag. Psychodynamisches Verstehen und effizientes Berichtschreiben in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie. Schattauer, Stuttgart 2013, 346 Seiten, kartoniert, 49,95 Euro

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