ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2013Berufsbedingte Mobilität: Frauen leiden besonders unter dem Pendeln

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Berufsbedingte Mobilität: Frauen leiden besonders unter dem Pendeln

PP 12, Ausgabe August 2013, Seite 373

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Millionen Arbeitnehmer pendeln jeden Tag zum Arbeitsplatz. Wie sich das Pendeln auf die psychische Verfassung auswirkt, haben jetzt die britischen Nachhaltigkeitsforscher Zhiqiang Feng und Paul Boyle von der University of St. Andrews (GB) untersucht. Sie werteten die Daten einer Langzeitstudie (1991–2006) zur berufsbedingten Mobilität aus, an der 5 216 Briten im Alter zwischen 16 und 64 Jahren teilgenommen haben. Dabei zeigte sich, dass 75 Prozent der befragten Männer mit dem Auto zum Arbeitsplatz fuhren, wohingegen nur 59 Prozent der Frauen das Auto benutzten; die restlichen pendelten als Beifahrer, mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln, mit dem Fahrrad oder zu Fuß.

Als psychische Belastung empfanden das Pendeln nur die weiblichen Teilnehmer, während es von den männlichen scheinbar gut verkraftet wurde. Besonders belastet waren Frauen, die von Haus zu Hausmit dem Auto eine halbe Stunde oder länger benötigten oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln länger als eine Stunde (einfach) unterwegs waren. „Je länger die Fahrzeiten, desto mehr Stress empfanden die weiblichen Pendler“, sagen die Wissenschaftler. Der Stress erhöhte sich zusätzlich, wenn die Pendlerinnen zu Hause familiäre Verpflichtungen hatten. Für Frauen, die allein oder mit einem Partner für Haushalt und Kinder verantwortlich waren, bedeutete jede Verzögerung, etwa durch einen Stau oder durch Verspätungen, dass sie weniger Zeit zu Hause zur Verfügung hatten.

Feng und Boyle weisen darauf hin, dass die moderne Berufswelt mit ihren hohen Anforderungen an Flexibilität und Mobilität zulasten der psychischen Gesundheit vieler Frauen geht. Betroffene können sich entlasten, indem sie näher an den Arbeitsplatz ziehen oder eine Tätigkeit verrichten, die teilweise von zu Hause ausgeführt werden kann. Aber auch Arbeitgeber sind in der Pflicht und sollten beispielsweise flexible Arbeitszeiten und Telearbeit ermöglichen und im Rahmen betrieblicher Gesund­heits­förder­ung Antistress-kurse für pendelnde Mitarbeiter anbieten. ms

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Feng Z, Boyle P: Do long journeys to work have adverse effects on mental health? Environment and Behavior, published online 21.01.2013, DOI: 10.1177/0013916512472053.

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