ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2013Essstörungen bei Männern: Erschwerter Zugang zur Therapie

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Essstörungen bei Männern: Erschwerter Zugang zur Therapie

PP 12, Ausgabe August 2013, Seite 373

MS

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Essstörungen gelten als „weibliche“ Störungen. Wie es Männern mit Essstörungen ergeht, wollten jetzt britische Psychologen um Kate Robinson von der Canterbury Christ Church University in Canterbury (GB) wissen. Sie interviewten acht Briten und Iren, die wegen starker Anorexie und Bulimie ambulant behandelt wurden. Die Interviews ergaben, dass sich Männer schwerer als Frauen eingestehen können, an einer Essstörung erkrankt zu sein, weil allgemein das Klischee vorherrscht, dass von Essstörungen ausschließlich Frauen betroffen seien. Den Männern fiel es nicht leicht, über ihre Erkrankung zu sprechen, aus Angst, ausgelacht oder nicht ernst genommen zu werden. In den Medien kommen essgestörte Männer so gut wie nicht vor und sind in der Öffentlichkeit quasi „unsichtbar“, weshalb es für die Befragten nicht einfach war, sich an anderen Betroffenen zu orientieren und eine Identität zu entwickeln. Sie erlebten außerdem, dass sie falsche Diagnosen erhielten, denn offenbar wird auch im Medizinbetrieb in der Regel davon ausgegangen, dass Essstörungen nur bei Frauen vorkommen. Da es an geschlechtsspezifischen Behandlungsangeboten mangelte, schlossen sich die Männer gemischten Therapiegruppen an. Dort erlebten sie einerseits, dass männliche ebenso wie weibliche Erkrankte mit denselben Problemen konfrontiert sind. Andererseits brachten die weiblichen Patienten die Erkrankung eher mit ihrem Geschlecht in Verbindung, indem sie beispielsweise meinten, dass Frauen unter größerem Druck als Männer ständen, schlank zu sein. Für die Teilnehmer war es besonders wichtig, einen Therapeuten zu finden, der sie ernst nahm und fürsorglich betreute. Sie wünschten sich mehr Aufklärung darüber, dass auch Männer an Essstörungen leiden, um weniger diskriminiert zu werden und um leichter über die Erkrankung sprechen zu können. Darüber hinaus würden sie es begrüßen, wenn es mehr geschlechtsspezifische Beratungs- und Behandlungsangebote gäbe. ms

Robinson K, Mountford V, Sperlinger D:
Being men with eating disorders.
Journal of Health Psychology 2013; 18(2): 176–86. MEDLINE

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