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In ihrem Artikel „Harnröhrenstrikturen – Ursache, Diagnose und Therapie“ weisen die Autoren darauf hin, dass endourologische Verfahren bereits in der Antike praktiziert worden seien.

Da dies nicht näher ausgeführt wird, dürften einige Details hierzu vielleicht nicht unwillkommen sein. Heliodorus, ein Chirurg des 1./2. Jahrhunderts nach Christi, hat zur Beseitigung von wucherungsbedingten Obstruktionen der Harnröhre, – sogenannten Synsarkosen – folgenden Eingriff vorgenommen (1): Er benutzte ein dünnes, spitzes Instrument, den Skolops, der hinter der Spitze angeschliffen war. Um Blutungen zu vermeiden, wurde das Glied hinter der Verengung komprimiert, gestreckt und dann das Instrument eingeführt. Sobald die Spitze über die Verengung vorgedrungen war, wurden durch kreisförmige Bewegungen die stenosierenden Membranen beseitigt und, sofern diese nicht von selbst abgingen, mit einem pinzettenartigen Instrument, dem Mydion, entfernt.

Die Nachbehandlung bestand im Einlegen von aus Papyrus gefertigten Bougies und metallenen Sonden, häufig aus Zinn oder aus dem Rohr einer Vogelfeder. In diesem Fall wurde vorher eine Sonde eingeführt, um ein Abknicken zu verhindern.

Einerseits gewährleisteten diese Hohlsonden einen unbehinderten Abfluss des Harns, während der fest um diese gewickelte, zuvor in Wasser eingeweichte Papyrus das Wundsekret aufsaugte. Über einen anderen endourethralen Eingriff berichtet der griechische Historiker Diodorus (1. Jahrhundert vor Christi) (2). In diesem Fall wurde bei einem männlichen Pseudohermaphroditen mit einer Atresie der Harnröhrenöffnung die Glans penis inzidiert und durch das Einführen eines silbernen Röhrchens eine Verbindung zur Urethra geschaffen. Für die Behandlung von Atresien und Hypospadien der Harnröhre empfiehlt eine pseudogalenische Schrift (3): „Die Therapie besteht in der Inzision der Eichelspitze und dem Einlegen einer Kanüle“.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0561a

Dr. med. Malte Stoffregen

Berlin

1.
Raeder I: Oribasii collectionum medicarum reliquiae (Corpus
medicorum graecorum VI, 2, 2). Leipzig/Berlin 1933; (Vol. IV): 60–1.
2.
Walton FR: Diodorus of sicily. Cambridge (Mass.)/London 1980; (Vol. XI): 453–5.
3.
Kühn CG: Claudii Galeni opera omnia Klaudiu Galenu
hapanta. Leipzig 1821–1833. Nachdruck: Hildesheim 1965,
Band XIV; S. 787.
4.
Tritschler S, Roosen A, Füllhase C, Stief CG, Rübben H: Urethral strictures—etiology, investigation and treatments. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(13): 220–6. VOLLTEXT
1.Raeder I: Oribasii collectionum medicarum reliquiae (Corpus
medicorum graecorum VI, 2, 2). Leipzig/Berlin 1933; (Vol. IV): 60–1.
2.Walton FR: Diodorus of sicily. Cambridge (Mass.)/London 1980; (Vol. XI): 453–5.
3.Kühn CG: Claudii Galeni opera omnia Klaudiu Galenu
hapanta. Leipzig 1821–1833. Nachdruck: Hildesheim 1965,
Band XIV; S. 787.
4.Tritschler S, Roosen A, Füllhase C, Stief CG, Rübben H: Urethral strictures—etiology, investigation and treatments. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(13): 220–6. VOLLTEXT

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