ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2013Ursache: Schilddrüsenfunktion

MEDIZIN: Diskussion

Ursache: Schilddrüsenfunktion

Thyroid Function as a Possible Cause

Dtsch Arztebl Int 2013; 110(33-34): 558; DOI: 10.3238/arztebl.2013.0558a

Torremante, Pompilio

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Prof Schleußner resümiert in seinem cme-Artikel etwas resigniert, dass es aktuell keine Maßnahmen zur Reduzierung der Frühgeburtenrate gibt. Im Rahmen der ärztlichen Therapiefreiheit könnten neue Medikamente im off-label-Gebrauch versucht werden, aber vor allem sollte mehr qualifizierte klinische Forschung betrieben werden.

Das ist nicht ganz korrekt. Aus meinen Erfahrungen der letzten zwölf Jahre lässt sich durch Optimierung der mütterlichen Schilddrüsenfunktion während der Schwangerschaft die Frühgeburtenrate bei Multiparae mit Einlingsschwangerschaft deutlich senken, auf unter 3 % (Perinatalstatistik Baden Württemberg 2006 – 6,7 % ).

Jede Schwangerschaft steigert die mütterliche Schilddrüsenfunktion beträchtlich. Für den Fötus ist das mütterliche freie Serum-Thyroxin (fT4) von zentraler Bedeutung, da es einzig die fetale Gehirnentwicklung fördert. Optimal ist ein fT4-Spiegel im hoch normalen Referenzbereich. Bei Jodmangel oder bei vorhandenen Schilddrüsenantikörpern produziert die Schilddrüse überwiegend Trijodthyronin und nicht das inaktive Prohormon Thyroxin, um eine Euthyreose während der Schwangerschaft aufrecht zu erhalten. Die resultierende Hypothyroxinämie kann die fetale Gehirnentwicklung beeinträchtigen.

Eine Hypothyroxinämie lässt sich mit L-Thyroxin und Jodid korrigieren. Hiervon profitiert die fetale Gehirnentwicklung und zusätzlich sinkt die Frühgeburtenrate bei Multiparae mit Einlingsschwangerschaft drastisch ab.

Die Daten wurden auf dem DGGG Kongress 2010 in München vorgestellt und 2011 publiziert (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22203918).

Seit der Publikation 2010 hat sich an der Frühgeburtenrate trotz Zunahme der Fallzahl nichts verändert. Es spricht vieles dafür, dass ein physiologischer Zusammenhang besteht zwischen mütterlicher Hypothyroxinämie und Frühgeburtlichkeit. Ich bin gerne bereit, Herrn Prof Schleußner die Originaldaten zur Einsicht zu überlassen.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0558a

Dr. med. Pompilio Torremante

Ochsenhausen

dr.torremante@onlinemed.de

Interessenkonflikt

Dr. Torremante erhielt Honorare für die Vorbereitung von wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltungen von Schering Bayer und Dr. Pfleger. Des Weiteren erhielt er Autorenhonorare von Hexal.

1.
Torremante P: Schilddrüse und Schwangerschaft Teil 1 und Teil 2. Frauenarzt 2002; 43: 1052–196.
2.
Torremante P: Potenzielle Gefährdung der fetalen Gehirnentwicklung bei Hypothyroxinämie der Mutter. GebFra 2005; 65: 212–4.
3.
Torremante P, Flock F, Kirschner W: Free thyroxine level in the high normal reference range prescribed for nonpregnant women may reduce the preterm delivery rate in multiparous. J Thyroid Res 2011; 2011: 905734. MEDLINE PubMed Central
4.
Schleußner E: The prevention, diagnosis and treatment of premature labor. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(13): 227–36. VOLLTEXT
1.Torremante P: Schilddrüse und Schwangerschaft Teil 1 und Teil 2. Frauenarzt 2002; 43: 1052–196.
2.Torremante P: Potenzielle Gefährdung der fetalen Gehirnentwicklung bei Hypothyroxinämie der Mutter. GebFra 2005; 65: 212–4.
3.Torremante P, Flock F, Kirschner W: Free thyroxine level in the high normal reference range prescribed for nonpregnant women may reduce the preterm delivery rate in multiparous. J Thyroid Res 2011; 2011: 905734. MEDLINE PubMed Central
4.Schleußner E: The prevention, diagnosis and treatment of premature labor. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(13): 227–36. VOLLTEXT

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