ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2013Gerinnungsstatus ermitteln
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Der Artikel von Ekkehardt Schleußner stellt die Problematik übersichtlich dar. Trotzdem erlauben wir uns, zum Thema intraventrikuläre Hirnblutungen einige Anmerkungen vorzunehmen. Leider treten intrazerebrale Blutungen mit einer Häufigkeit von über 70 % in der Gewichtsklasse 500–750 g und noch bei 15 % in der Gewichtsklasse zwischen 1 500–2 000 g auf. Etwa 10–15 % der überlebenden sehr kleinen Frühgeborenen weisen lebenslange Behinderungen auf (1). Zur Untersuchung der Inzidenz von Hirnblutungen wurden 11 887 Neugeborene in den Jahren 1985–1994 am 3. bis 10. Lebenstag sonographisch untersucht. 303 Kinder (2,5 %) hatten intra- oder periventrikuläre Blutungen (2).

Als bedeutendster Risikofaktor wurde die Unreife festgestellt, aber auch Gestationsdauer, Geburtsgewicht und Körperlänge korrelierten invers. Zudem besteht eine Korrelation zwischen kindlichen Infektionen über die Mutter sowie Zwillingsschwangerschaften (2). Eine mögliche Gerinnungsstörung wurde leider nicht untersucht. Schleußner erwähnt die Problematik der Hirnblutungen bei Gabe von Magnesiumsulfat und Glukokortikoiden (Reduktion von intraventrikulären Hirnblutungen), Magnesiumsulfat in Kombination mit Fenoterol (höchste Hirnblutungsrate überhaupt) und beim Einsatz von Kalziumantagonisten (Reduktion von intraventikulären Hirnblutungen). Die Ursachen der Hirnblutung werden kontrovers diskutiert, eine Gerinnungsstörung kaum erwähnt. Bei Frühgeborenen ist die plasmatische Gerinnung in Richtung Blutungsneigung verschoben, und es kann auch eine neonatale Alloimmunthrombozytopenie (NAIT) vorliegen (3). Beides sollte in der Geburtsmedizin unbedingt berücksichtigt werden, um Hirnblutungen vorzubeugen oder diese zu lindern.

Es empfiehlt sich bei allen Frühgeborenen möglichst rasch die Thrombozytenzahlen und den Gerinnungsstatus zu ermitteln, um postnatale Blutungen durch die rechtzeitige Gabe von Thrombozyten oder Gerinnungsfaktoren zu lindern. Eine Ursachendiagnostik mittels Bestimmung der Thrombozytenantikörper ist anzuschließen.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0559b

Prof. Dr. Dr. med. Holger Kiesewetter

PD Dr. med. Hartmut Radtke

Dr. med. Frank-Peter Schmidt

Hämostaseologicum Berlin

info@haemostaseologicum.com

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Bidlingsmaier C, Eberl W, Kurnik K: Perioperatives Gerinnungsmanagement. Bremen: Unimed Verlag 2007.
2.
Jäger M: Dissertation an der Justus-Liebig Universität Gießen, 2000.
3.
Kjeldsen-Kragh J, Husebekk A, Killie M K, Skogen B: Is it time to include screening for neonatal alloimmune thrombocytopenia in the general antenatal health care programme? Transfusion and apheresis science. 2008; 38: 183–8. CrossRef MEDLINE
4.
Schleußner E: The prevention, diagnosis and treatment of premature labor. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(13): 227–36. VOLLTEXT
1.Bidlingsmaier C, Eberl W, Kurnik K: Perioperatives Gerinnungsmanagement. Bremen: Unimed Verlag 2007.
2.Jäger M: Dissertation an der Justus-Liebig Universität Gießen, 2000.
3.Kjeldsen-Kragh J, Husebekk A, Killie M K, Skogen B: Is it time to include screening for neonatal alloimmune thrombocytopenia in the general antenatal health care programme? Transfusion and apheresis science. 2008; 38: 183–8. CrossRef MEDLINE
4.Schleußner E: The prevention, diagnosis and treatment of premature labor. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(13): 227–36. VOLLTEXT

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