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Dtsch Arztebl Int 2013; 110(33-34): 560; DOI: 10.3238/arztebl.2013.0560

Schleußner, Ekkehard

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Ich danke Prof. Seifert für seine Korrekturen an der grob vereinfachenden Grafik 4 des Artikels, deren Intention es keineswegs ist, die intrazellulären Signalmechanismen exakt und erschöpfend darzustellen. Eine ausführliche Darstellung der pharmakologischen Zusammenhänge war weder im Fokus der Übersicht noch in dem vorgegeben Umfang realisierbar. Bei der Erweiterung und Vereinfachung einer Abbildung aus Simhan et al. 2007 (1) haben sich die von Seifert benannten Inkongruenzen ergeben, deren Richtigstellung ich begrüße. Hinsichtlich der Verwendung von Ibuprofen zu Tokolyse muss jedoch widersprochen werden, weil dafür keinerlei klinische Daten vorliegen und auf die klaren Kontraindikationen eines Indomethacineinsatzes verwiesen wurden.

Dr. Kiworr verweist mit Recht auf die Bedeutung von Schwangerschaftsabbrüchen als Risikofaktor, der im Übersichtsartikel unter belastete geburtshilfliche Anamnese subsumiert, jedoch nicht explizit aufgeführt wurde. Eine aktuelle Metaanalyse findet ein signifikant erhöhtes Frühgeburtsrisiko (Odds Ratio 1,36; 95-%-KI: 1,24–1,50), das sich nach mehreren vorangegangenen Abruptiones noch weiter erhöht (2).

Die anderen Leserbriefe beschäftigen sich mit der Supplementierung von Spurenelementen und Hormonen, die in der auf Evidenz basierenden Übersicht nicht berücksichtigt wurden. Kollege Conradt verweist in seinem Leserbrief auf den möglichen Nutzen einer Magnesiumsubstitution, die nicht mit der hochdosierten Magnesiumtokolyse gleichgesetzt werden darf. Obwohl von verschiedenen Arbeitsgruppen in den 1980er-Jahren ermutigende Ergebnisse berichtet wurden, kommt eine Cochrane-Metaanalyse von sieben Studien zu der Einschätzung, dass aufgrund der eingeschränkten Studienqualität ein Nutzen nicht sicher nachgewiesen werden kann (3). Neuere Übersichtsarbeiten sehen einen potenziellen Nutzen bei Mangel- oder Fehlernährung zum Beispiel bei Schwangeren mit niedrigem sozioökonomischem Status oder auch US-Afroamerikanerinnen (4).

Kollege Torremante berichtet von sehr interessanten eigenen Ergebnissen einer nichtrandomisierten, retrospektiven Beobachtungsstudie (5). Bevor jedoch daraus allgemeine Empfehlungen abgeleitet werden können, bedarf es einer Bestätigung dieser Daten durch beweisende Studien.

Anders als Dr. Daumann in seinem Leserbrief vermutet, gibt es keine „milliardenschwere Industrie hinter der Frühgeburtlichkeit“, was sich unter anderem in dem off-label-Gebrauch der meisten wirksamen Tokolytika ausdrückt. Die von ihm zitierte Studie aus dem Internet berichtet allerdings keine Unterschiede im Geburtsalter, Geburtsgewicht und Verlegungsrate in die Neonatologie zwischen den Untersuchungsgruppen. Eine kürzliche Publikation derselben Autoren findet nicht eine Halbierung der Rate an Frühgeburten, sondern die Autoren schreiben selbst „Evidence of risk reduction in infection, preterm labor, and preterm birth was suggestive…“. Eine aktuelle Cochrane-Metaanalyse von 2011 zur Vitamin-D-Substitution während der Schwangerschaft gibt aufgrund nicht ausreichender Studiendaten keine Empfehlung (6).

Der Leserbrief von Prof. Kiesewetter, PD Dr. Radtke und Dr. Schmidt aus dem Hämostaseologicum empfiehlt zur Prophylaxe von neonatalen Hirnblutungen die rasche Bestimmung der kindlichen Thrombozytenzahl und des Gerinnungsstatus. Bei der neonatologischen Erstuntersuchung von Frühgeborenen gehört die Thrombozytenbestimung selbstverständlich dazu. Ein ausführliche Gerinnungsdiagnostik wird nicht generell, sondern indikationsbezogen durchgeführt, da zum einen dazu doch eine größere Blutabnahme erforderlich ist und die erwähnte neonatale Alloimmunthrombozytopenie ein äußerst seltenes Ereignis ist.

Zusammenfassend wird deutlich, dass die Prävention und Therapie der drohenden Frühgeburt seit Jahrzehnten ein ungelöstes komplexes Problem der Geburtsmedizin ist, für das es auch keine einfache Lösung geben kann.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0560

Prof. Dr. med. Ekkehard Schleußner

Abteilung Geburtshilfe, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Universitätsklinikum Jena

Ekkehard.Schleussner@med.uni-jena.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Simhan HN, Caritis SN: Drug therapy: prevention of preterm delivery. N Engl J Med 2007; 357: 477–87. CrossRef MEDLINE
2.
Shah P, Zao J, Knowledge Synthesis Group of Determinants of preterm/LBW births: Induced termination of pregnancy and low birthweight and preterm birth: a systematic review and meta-analyses. BJOG 2009; 116: 1425–42. CrossRef MEDLINE
3.
Makrides M, Crowther CA: Magnesium supplementation in pregnancy. Cochrane Database Syst Rev 2001; 4: CD000937. MEDLINE
4.
Dunlop A, Kramer MR, Hogue CJR, Menon R, Ramakrishan U: Racial disparities in preterm birth: an overview of the potential role of nutrient deficiencies. Acta Obstet Gynecol Scand 2011; 90: 1332–41 CrossRef MEDLINE
5.
Torremante P, Flock F, Kirschner W: Free thyroxine level in the high normal reference range prescribed for nonpregnant women may reduce the preterm delivery rate in multiparous. J Thyroid Res 2011; 2011: 905734. MEDLINE PubMed Central
6.
Wagner CL, McNeil R, Hamilton SA, et al.: A randomized trial of vitamin D supplementation in 2 community health center networks in South Carolina. Am J Obstet Gynecol. 2013; 208: 137.e1–13. MEDLINE
7.
Schleußner E: The prevention, diagnosis and treatment of premature labor. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(13): 227–36. VOLLTEXT
1.Simhan HN, Caritis SN: Drug therapy: prevention of preterm delivery. N Engl J Med 2007; 357: 477–87. CrossRef MEDLINE
2.Shah P, Zao J, Knowledge Synthesis Group of Determinants of preterm/LBW births: Induced termination of pregnancy and low birthweight and preterm birth: a systematic review and meta-analyses. BJOG 2009; 116: 1425–42. CrossRef MEDLINE
3.Makrides M, Crowther CA: Magnesium supplementation in pregnancy. Cochrane Database Syst Rev 2001; 4: CD000937. MEDLINE
4.Dunlop A, Kramer MR, Hogue CJR, Menon R, Ramakrishan U: Racial disparities in preterm birth: an overview of the potential role of nutrient deficiencies. Acta Obstet Gynecol Scand 2011; 90: 1332–41 CrossRef MEDLINE
5.Torremante P, Flock F, Kirschner W: Free thyroxine level in the high normal reference range prescribed for nonpregnant women may reduce the preterm delivery rate in multiparous. J Thyroid Res 2011; 2011: 905734. MEDLINE PubMed Central
6.Wagner CL, McNeil R, Hamilton SA, et al.: A randomized trial of vitamin D supplementation in 2 community health center networks in South Carolina. Am J Obstet Gynecol. 2013; 208: 137.e1–13. MEDLINE
7.Schleußner E: The prevention, diagnosis and treatment of premature labor. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(13): 227–36. VOLLTEXT

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