ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2013Zitat der Woche: Erheblicher Realitätsverlust
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Das „Zitat der Woche“ von Prof. Karl Lauterbach, sollte es nicht aus einem so nicht nachvollziehbaren Zusammenhang gerissen sein, zeigt einen erheblichen Realitätsverlust. Deutschland hat deshalb einen so gravierenden Ärztemangel, weil bis zu 20 Prozent der deutschen Ärzte ins Ausland abwandern: Junge Ärzte nach dem Examen (die ausländischen Headhunter warten vor der Tür!), in der Fachausbildung oder auch als Fachärzte. Jeder ausgewanderte deutsche Arzt kostet Deutschland etwa eine Million Euro, die Gesamtkosten gehen somit in die Milliarden. Der Bundes­ärzte­kammer ist dieses Problem bekannt: Nach ihren Erhebungen wanderten 2011 etwa 2 400 deutsche Ärzte aus. Hauptnutznießer sind Länder, die zu wenig Ärzte ausbilden: die Schweiz, Österreich, Skandinavien, Großbritannien und andere. 40 Prozent aller Assistenzärzte in Schweizer Hospitälern sind Deutsche. Eine Rückkehr dieser Ärzte würde unser Ärzteproblem erheblich lindern.

Was ist die Ursache dieser Auswanderungswelle? Unser Gesundheitssystem wird immer noch durch den Altruismus der Assistenzärzte alimentiert. Unbezahlte Überstunden, inadäquate Vergütungen der Nachtdienste, zu lange Dienstzeiten mit chronischer Übermüdung, fehlende Fortbildungsmöglichkeiten, dafür aber jede Menge arztfremder Tätigkeiten wie Kodierung der DRGs, das Suchen nach Reha- und Pflegeplätzen etc. . . . Diese Liste nichtärztlicher Tätigkeiten ließe sich beliebig fortführen.

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Deutschland muss nicht mehr Ärzte ausbilden. Stattdessen müssen die geleisteten Stunden korrekt abgerechnet und die Belastungen in Klinik (und Praxis) auf typisch ärztliche Tätigkeiten zurückgeführt werden . . .

Australien ködert seine aus aller Welt angeworbenen Ärzte unter anderem damit, dass für alle nichtärztlichen Tätigkeiten in der Klink ausreichend Hilfskräfte vorgehalten werden. Fragt man diese ausgewanderten Kollegen, dann haben sie wieder Freude an ihrem ärztlichen Beruf. Prof. Lauterbach sollte sich einmal mit ausgewanderten deutschen Ärzten unterhalten . . .

Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. Klaus E. v. Olshausen, 69118 Heidelberg

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michelvoss
am Donnerstag, 9. Januar 2014, 11:48

20 Prozent der jungen Ärzte wandern ab? Bitte belegen.

2012 sind 2 241 abgewandert (4 193 eingewandert). Von 349 000, das sind 0.5% der berufstätigen Ärzte: http://www.aerzteblatt.de/archiv/142670/

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