ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2013Deutscher Röntgenkongress: Trends in der Radiologie

MEDIZINREPORT

Deutscher Röntgenkongress: Trends in der Radiologie

Dtsch Arztebl 2013; 110(33-34): A-1560 / B-1375 / C-1358

Fath, Roland

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Drei Sonden umzingeln den Tumor für die irreversible Elektroporation. Foto: Christian Stroszczynski, Universitätsklinikum Regensburg
Drei Sonden umzingeln den Tumor für die irreversible Elektroporation. Foto: Christian Stroszczynski, Universitätsklinikum Regensburg

Die Etablierung von notfallradiologischen Einheiten, die onkologische Bildgebung und die interventionelle Radiologie waren Schwerpunktthemen der Jahrestagung.

Analog zur „emergency radiology“ in den USA soll auch hierzulande die Notfallradiologie zum Standard in Kliniken der Maximalversorgung werden, skizzierte Prof. Dr. med. Mathias Langer aus Freiburg als Präsident des Kongresses der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) die Entwicklungen seines Faches. Notfallradiologie bedeutet: spezialisierte Einheiten mit 24-Stunden-Besetzung zur schnellen Detaildiagnostik von Notfallpatienten, zum Beispiel mit Polytrauma. „Jede Sekunde zählt“, betonte Langer. Neben der Stabilisierung der Patienten sei die zügige und umfassende Diagnose das „A und O“ für die Prognose.

Umfassende Bilderdatensätze

Mit hochauflösenden Ganzkörper-Computertomographien (CT) kann der gesamte Körper in weniger als 30 Sekunden komplett gescannt werden. Die umfassenden Bilderdatensätze müssen dann durch trainierte Radiologen innerhalb kürzester Zeit ausgewertet werden. Ziel ist es, die Diagnose mit nur geringem Zeitverlust bereits im Schockraum zu stellen und in Zusammenarbeit mit dem Kliniker beziehungsweise Chirurgen den Fahrplan für die Therapie auszuarbeiten. Von der erst im Jahr 2012 formierten European Society of Emergency Radiology wird zurzeit eine europäisch einheitliche Leitlinie zu Diagnosealgorithmen und strukturellen Fragen erarbeitet.

In der Onkologie sind radiologische therapeutische Verfahren als Ergänzung zu Standardtherapie schon seit vielen Jahren etabliert. Prof. Dr. med. Christian Stroszczynski aus Regensburg nannte als Beispiele die transarterielle Embolisation, die selektive interne Radiotherapie und die Radiofrequenzablation. Ein neueres Verfahren ist die irreversible Elektroporation (IRE), die zurzeit als letzte Option bei Patienten mit Lebertumoren erprobt wird. Weltweit wurden erst einige Hundert Patienten mit der IRE behandelt, in Regensburg bereits mehr als 35. Bei dem Verfahren werden zwei bis sechs Sonden unter Bildkontrolle, meist mit Hilfe der CT, an den Tumorherd herangeführt und die Krebszellen durch einen heftigen Stromstoß von mehreren Tausend Volt zum Platzen gebracht.

Die IRE wirkt selektiv auf die wasserhaltigeren Tumorzellen und schont – anders als thermische Ablationsverfahren – weitgehend das gesunde Nachbargewebe, wie Stroszczynski erklärte. Die bisherigen Erfahrungen zeigen nach seinen Angaben, dass die IRE ein sehr sicheres Verfahren ist. Wie wirksam es tatsächlich ist, müssen allerdings noch weitere Studien klären. Als Nachteil der Methode, die künftig auch bei Patienten mit Prostatakarzinom getestet werden soll, nannte der Radiologe die Notwendigkeit einer Vollnarkose.

Unter den bildgebenden Verfahren zur onkologischen Diagnostik gehört vermutlich der Kombination von Positronen­emissions­tomo­graphie (PET) und Magnetresonanztomographie (MRT) anstelle von PET/CT die Zukunft. Die MRT biete eine hohe Ortsauflösung und einen besseren Weichteilkontrast und habe im Vergleich zur CT den großen Vorteil der fehlenden ionisierenden Strahlung, sagte Prof. Dr. med. Jürgen Schäfer vom Universitätsklinikum Tübingen. Die Strahlenbelastung der PET/MRT liegt um 50 bis 80 Prozent niedriger als bei einer PET/CT – je nachdem welche Art der CT eingesetzt wird. Besonders gut geeignet sei die Methode deshalb bei Kindern, die bis zu viermal empfindlicher für Strahlen seien als Erwachsene, sagte Schäfer. Zudem gebe es praktisch keine falschpositiven Befunde.

Wichtige Zusatzbefunde

In einer Vergleichsstudie am Universitätsklinikum Tübingen wurde bei bisher 18 Kindern mit unterschiedlichen Krebserkrankungen, darunter Tumoren der Lymphorgane und Weichteilorgane (Sarkome), die Gleichwertigkeit eines PET/MRT (Dauer etwa 60 Minuten) und eines PET/CT (circa 30 Minuten) beim Erkennen von Tumoren belegt. Bei vier Patienten lieferte die PET/MRT sogar wichtige Zusatzbefunde, die auf die Wahl der Behandlung Einfluss hatte, wie Dr. med. Sergios Gatidis berichtete. Bis die PET/MRT allerdings zu einem neuen Standard werden könnte, wird noch einige Zeit vergehen. Erst an fünf Standorten in Deutschland ist nach Angaben von Gatidis ein teures PET/MRT verfügbar.

Roland Fath

Drei Sonden umzingeln den Tumor für die irreversible Elektroporation. Foto: Christian Stroszczynski, Universitätsklinikum Regensburg
Drei Sonden umzingeln den Tumor für die irreversible Elektroporation. Foto: Christian Stroszczynski, Universitätsklinikum Regensburg
Grafik
Drei Sonden umzingeln den Tumor für die irreversible Elektroporation. Foto: Christian Stroszczynski, Universitätsklinikum Regensburg

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema