ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2013Priorisierung: Das Beispiel Früherkennung
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In vornehmer Zurückhaltung vermeiden es die Autoren, nach den Gründen fehlender ärztlicher Debatten über die Priorisierung zu fragen. Keine Fachgesellschaft möchte ihren Handlungskatalog relativieren – nach dem Motto „Alles unentbehrlich! Alles wichtig!“ Eventuell bieten interdisziplinäre Themen eine Chance.

Wählen wir das Versorgungsfeld „Früherkennung“. Hier werden nur die Fachgesellschaften Widerstand leisten, die in den Leitlinien starke Empfehlungen bei niedriger Evidenz aussprechen. Gerade das ruft nach Überprüfung.

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Der früh erkannte Krebs ist eine heterogene Erkrankung, die vom Pathologen zu einem Zeitpunkt beschrieben wird, der oft keine Vorhersage des zu erwartenden Verlaufs ermöglicht. Heute ist er weitaus seltener eine tödliche Bedrohung. Stattdessen diagnostizieren wir zu viele Tumoren, die nicht lebensbedrohlich gewesen wären.

Galt es früher, Maßnahmen gegen den fortgeschrittenen Krebs zu maximieren, leben heute Betroffene in friedlicher Koexistenz mit ihrem Krebs, werden aber durch Früherkennung chronisch krank und verlieren durch Übertherapie an Lebensqualität. Bedingt durch gezielte Kampagnen und Fehlinformationen wird der Nutzen drastisch überschätzt – er liegt nur im Promillebereich, der Schaden ist in Prozent zu messen. Es ist an der Zeit, die fundamentale Fehleinschätzung des Nutzens der Krebsfrüherkennung
auf dem Wege der Posteriorisierung offenzulegen . . .

Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. med. Lothar Weißbach, Stiftung Männergesundheit, 10117 Berlin

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