ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2013Priorisierung: Die Politik einbeziehen
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Ärztlich unterstützte Priorisierung ist notwendig und hilfreich, meint Prof. Raspe und erwähnt gleichzeitig, dass dies die Mehrheit der befragten Ärzte in seiner Untersuchung entschieden anders sieht: Unter „ärztlichen Aufgaben“ nahm hier die Priorisierungsdebatte den letzten Rang ein. Woran kann das liegen?

Prof. Raspe hat in seiner . . . wenig fokussierenden Stellungnahme die Menge der für Gesundheit zur Verfügung stehenden Mittel als gottgegeben dargestellt: Hier ist das Budget, ihr Ärzte, macht das Beste daraus und haltet dabei die Ethik ein! Dies können viele Ärzte langsam nicht mehr hören!

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Welchen Stellenwert die Gesundheit in einer Gesellschaft hat, wird auch deutlich daran, welche Bedeutung ihr in der öffentlichen Debatte zugemessen wird und wie viele Mittel ihr zur Verfügung gestellt werden! Wenn es EU-Regierungen jahrelang zugelassen haben (und es anhaltend tun), dass reiche Bürger und vor allem Betriebe ihre Einnahmen nicht adäquat in ihrem Land versteuern, fehlt dieses Geld zum Beispiel für Gesundheit, aber das ist ja nicht so wichtig . . .

Sowohl an die Gesellschaft als auch an jeden Einzelnen sollten „ethische“ Ansprüche gestellt werden. Die Politik sollte zum Beispiel dafür zuständig sein, jedem Kind eine adäquate, gut betreute Ausbildung zu ermöglichen, in der auch der Umgang mit Nahrung, Umwelt und eigener Gesundheit thematisiert wird. Sie sollte zum Beispiel weiter dafür zuständig sein, gesunde Lebens- und Arbeitsbedingungen zu propagieren, durchzusetzen und zu kontrollieren.

Das würde bedeuten, dass viel mehr Geld in die Prävention (gemeint ist nicht Früherkennung, sondern wirklich Verhinderung von Krankheiten) fließen müsste.

Und jeder Einzelne müsste eine Verantwortung übernehmen, wenn es zu offensichtlich vermeidbaren Krankheiten kommen würde – auch mit der Konsequenz der Rationierung in seinem speziellen Fall.

Eine Priorisierung im Gesundheitswesen kann nur politisch festgelegt werden, nicht in erster Linie medizinisch.

Kein Wunder, dass viele Ärzte nicht schon wieder Sündenbock sein möchten.

Dr. med. Swana Swalve-Bordeaux, 24340 Eckernförde

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