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Mit Bestürzung habe ich den Leserbrief zum PraenaTest auf Trisomie 21 von Frau Dr. Utta Recknagel gelesen.

Als Vater eines Kindes mit Trisomie 21 fällt es mir schwer, bei meinem Sohn und seiner Persönlichkeit von einer Behinderung oder gar Erkrankung zu sprechen. Mein Eindruck ist eher, dass die Umgebung häufig behindernd wirkt – zum Bespiel bei der Suche nach einer geeigneten Schule – und dass viele Menschen im Umgang mit Kindern mit Trisomie 21 behindert agieren.

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Den Wert der Pränataluntersuchung schätze ich wie folgt ein: Schon ohne den von der Kollegin als hervorragend bezeichneten Test werden Schwangere in erheblichem Umfang von der Medizin (Pränatalmediziner, Frauenärztinnen) zu Pränataluntersuchungen wie einer Amniozentese überredet, ohne dass hier eine wirkliche Aufklärung über die Bedeutung eines möglicherweise „pathologischen Ergebnisses“ passiert.

Die „pränatale Abklärung dieses Gendefekts“ – und damit auch der PraenaTest – zieht bei der Diagnose Trisomie 21 in bis zu 95 Prozent der Fälle einen Schwangerschaftsabbruch nach sich. Frau Recknagel hält dies offensichtlich für wünschenswert.

Ich bin nicht damit einverstanden, dass eine pränatale Abklärung in jedem Fall, wie Frau Recknagel behauptet, wünschenswert sei. Vielleicht kann sich die Kollegin nicht vorstellen, dass es Eltern geben mag, die sogar wissentlich ein Kind mit Down-Syndrom bekommen.

Dass es, wie Frau Recknagel schreibt, vornehmste Aufgabe sei, gesundes Leben, geistig und körperlich zu erhalten und zu bewahren, hat mich erinnern müssen an Äußerungen über die Vernichtung lebensunwerten Lebens und ist für mich in diesem Kontext als Aussage absolut inakzeptabel. Es ist nicht die Aufgabe von wem auch immer, „gesundes Leben“ zu selektionieren.

Meine vornehmste Aufgabe aber ist es, sich gegen solche Äußerungen wie die von Frau Recknagel mit allen Mitteln zur Wehr zu setzen, um allen Kindern mit und ohne Einschränkung eine größere Akzeptanz in unserer Gesellschaft zu ermöglichen.

Dr. med. Hubertus Halbfas,
51429 Bergisch Gladbach

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