ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2013Gerhard Domagk: Eine bahnbrechende Erfindung

KULTUR

Gerhard Domagk: Eine bahnbrechende Erfindung

Dtsch Arztebl 2013; 110(33-34): A-1573 / B-1387 / C-1369

Vesper, Johannes

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Seit dem 1. August steht Tony Craggs Bronzeskulptur „Domagk“ vor den historischen Zoosälen in Wuppertal.

Die Firma Bayer hat die Skulptur von Tony Cragg anlässlich ihres 150-jährigen Firmenjubiläums der Stadt Wuppertal geschenkt. Foto: Johannes Vesper
Die Firma Bayer hat die Skulptur von Tony Cragg anlässlich ihres 150-jährigen Firmenjubiläums der Stadt Wuppertal geschenkt. Foto: Johannes Vesper

Bei Bayer in Elberfeld beschäftigte man sich mit Farbstoffen und auch mit den Wechselwirkungen zwischen Farbstoffen und Bakterien. Professor Hörlein, damals Forschungsleiter des Unternehmens, rief 1927 den 32-jährigen Pathologen Gerhard Domagk zur Erforschung dieser Zusammenhänge nach Elberfeld. Domagk (1895– 1964) begann sein Medizinstudium in Kiel, meldete sich im Ersten Weltkrieg als Kriegsfreiwilliger, wurde bereits 1914 verletzt und überstand den Krieg als Sanitäter. Er überlebte ein Zugunglück bei Kreiensen und bekam nach dem Medizinstudium in Greifswald eine Stelle als Assistent am Pathologischen Institut, wo ihn das Angebot von Hörlein erreichte.

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In Elberfeld traf Domagk auf den Chemiker Josef Klarer. Klarer erdachte ständig neue Substanzen mit jeweils unterschiedlichen Seitengruppen, die spezifisch wie „Zauberkugeln“ (Paul Ehrlich) gegen bakterielle Erreger wirken sollten. Alle werden von Domagk auf ihre Wirksamkeit hin geprüft, aber keine führte auf der Petrischale oder im Probenröhrchen zu einer Hemmung des Bakterienwachstums. Im Dezember 1931 gab er dann ein eben neu synthetisiertes Sulfonamid mit der Nummer KL-730 einer Gruppe mit Streptokokken infizierter Mäusen, die alle nach einigen Tagen noch lebten. Die Kontrollgruppe ohne Sulfonamid überlebte hingegen nicht. Sofort machte sich Domagk an die Arbeit und fand bei den toten Mäusen in Hunderten über die Weihnachtstage angefertigten pathologisch-anatomischen Schnitten zahllose Streptokokken, bei den überlebenden aber keine.

Kein Zweifel: Die Substanz KL-370 war wirksam. „Wir waren erstaunt und fühlten uns, als hätten wir einen elektrischen Schlag erhalten“, wird Domagk zitiert. Das kristalline KL-730 war aber nicht wasserlöslich, konnte also nicht ohne weiteres als Medikament getestet werden. Der Chemiker Fritz Mietzsch nahm sich des Problems an und kreierte das wasserlösliche Natriumsalz des KL-730. Jetzt war die tiefrote Substanz injizierbar und konnte toxikologisch untersucht werden. Domagk bot sie, dann Prontosil genannt, seinem Freund Klee an, dem damaligen Chefarzt des
Elberfelder Städtischen Krankenhauses, wo man 1933 um das Leben einer 18-Jährigen kämpfte. Sie war an einer schweren septischen Streptokokkenangina mit riesigen Abszessen, Nierenversagen und Jugularveneninfektion erkrankt. Klee war davon überzeugt, dass es für seine junge Patientin keine wirksame Therapie mehr gab und sie unbehandelt sterben würde. Er gab ihr erstmalig das Prontosil, und sie genas innerhalb weniger Tage.

Am 15. Februar 1935 berichteten in einem Heft der Deutschen Medizinischen Wochenschrift Domagk über die Substanz Prontosil und Klee über seine Behandlungserfolge in Elberfeld. Aufgrund der sensationellen Entdeckung des ersten modernen Antibiotikums, sollte Domagk 1939 den Nobelpreis erhalten. Doch das Naziregime hatte ihm die Annahme des Preises verboten. Domagk erhielt ihn erst 1947. Wuppertal ist also die Stadt, von der aus die modernen Antibiotika in die Welt kamen. Die Medizinisch-Naturwissenschaftliche Gesellschaft Wuppertal schlug 2011 vor, an diese wissenschaftliche Großtat mit einer Skulptur zu erinnern, und Tony Cragg konnte für eine Skulptur, mit der auf Domagk und seine bahnbrechende Erfindung in Wuppertal hingewiesen wird, gewonnen werden. Seit dem 1. August steht jetzt seine Bronzeskulptur „Domagk“ vor den historischen Zoosälen an der Huberusallee, unmittelbar vor dem Wohnhaus des Nobelpreisträgers. Bayer hat die Skulptur anlässlich ihres 150-jährigen Firmenjubiläums der Stadt Wuppertal geschenkt.

Dr. med. Johannes Vesper

@Informationen: www.mng-Wuppertal.de; www.musenblaetter.de/artikel.php?aid=11082&suche=Cragg

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