ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2013Lokal begrenztes Prostatakarzinom: Operation und Bestrahlung langfristig ähnlich effektiv

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Lokal begrenztes Prostatakarzinom: Operation und Bestrahlung langfristig ähnlich effektiv

Dtsch Arztebl 2013; 110(33-34): A-1562 / B-1377 / C-1360

Gulden, Josef

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Ein lokal begrenztes Prostatakarzinom kann man radikal operieren oder bestrahlen. Zum Vergleich dieser beiden Therapiestrategien bezüglich des Überlebens gibt es derzeit keine guten Vergleichsdaten. Die Wahl der Therapie richtet sich daher häufig nach den zu erwartenden funktionellen Ergebnissen, die bisher aber nur für relativ kurze Nachbeobachtungszeiten bekannt waren. Da die mediane Lebenserwartung dieser Patienten bei immerhin knapp 14 Jahren liegt, sind die 15-Jahres-Resultate der US-amerikanischen Prostate Cancer Outcomes Study (PCOS) interessant, die jüngst veröffentlicht wurden: Von 1 655 Männern, bei denen 1994 oder 1995 im Alter von 55–74 Jahren ein Prostatakarzinom diagnostiziert worden war, hatten sich 1 164 einer radikalen Operation und 491 einer definitiven Strahlentherapie unterzogen. Der funktionelle Status wurde zwei, fünf und jetzt 15 Jahre nach der Diagnose erhoben.

Kurz- bis mittelfristig war die Bestrahlung bei Blasen- und sexueller Funktion überlegen: Harninkontinenz war 2 Jahre nach einer Operation mehr als sechsmal und nach 5 Jahren immer noch mehr als fünfmal häufiger als nach Strahlentherapie, erektile Dysfunktion etwa dreieinhalbmal bzw. etwa zweimal so häufig. Umgekehrt hatten die Patienten 2 Jahre nach der Bestrahlung etwa zweieinhalbmal und nach 5 Jahren ungefähr zweimal so häufig erhöhten Stuhldrang wie nach Operation. Nach 15 Jahren waren die Unterschiede bei allen Symptomen verschwunden, jedoch hatten zu diesem Zeitpunkt alle Teilnehmer in diesen funktionellen Domänen Einbußen zu beklagen – vermutlich aufgrund des dann meist fortgeschrittenen Alters, aber möglicherweise wegen zusätzlicher onkologischer Therapien.

Sexuelle Funktion in der gesamten Kohorte (höhere Scores zeigen bessere Funktion an)
Sexuelle Funktion in der gesamten Kohorte (höhere Scores zeigen bessere Funktion an)
Grafik
Sexuelle Funktion in der gesamten Kohorte (höhere Scores zeigen bessere Funktion an)

Fazit: Bei diesen krankheitsspezifischen funktionellen Ergebnissen gibt es mittelfristig Unterschiede zwischen Operation und Strahlentherapie, die sich aber nach 15 Jahren nivelliert haben. Diese Daten sollten mit dem Patienten diskutiert werden, der vor der Wahl der Behandlungsmethode steht. Möglicherweise sind die Angaben über die organspezifischen Beschwerden nach 2 und 5 Jahren für den einen oder anderen hilfreich bei der Entscheidungsfindung. Josef Gulden

Resnick MJ, et al.: Long-term functional outcomes after treatment for localized prostate cancer. NEJM 2013; 368: 436–45.

Sexuelle Funktion in der gesamten Kohorte (höhere Scores zeigen bessere Funktion an)
Sexuelle Funktion in der gesamten Kohorte (höhere Scores zeigen bessere Funktion an)
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Sexuelle Funktion in der gesamten Kohorte (höhere Scores zeigen bessere Funktion an)

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