ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2013Plattdeutsch im Pflegeheim: Vertrautes aus der Kindheit

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Plattdeutsch im Pflegeheim: Vertrautes aus der Kindheit

Dtsch Arztebl 2013; 110(33-34): [86]

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Im Demenzzentrum in Molbergen wird regelmäßig gesnackt.

Fotos: dpa
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Die plattdeutsche Sprache gehört im Demenzzentrum in Molbergen zum Alltag dazu. Die kleine Gemeinde liegt mitten im ländlich geprägten Kreis Cloppenburg. Viele Menschen sprechen dort noch Plattdeutsch. In der Generation, die jetzt in Pflegeheimen lebt, hat man zu Hause ausschließlich Niederdeutsch geredet. Nahezu alle Mitarbeiter des Demenzzentrums in Molbergen sprechen deshalb Plattdeutsch – wenn nicht fließend, dann zumindest einige Worte. Damit ist die Einrichtung Vorreiter, wie Heinrich Siefer vom Bundesrat für Niederdeutsch betont. „Aber auch andere greifen das zunehmend auf.“ In dem Gremium setzt er sich dafür ein, dass Plattdeutsch nicht nur bei der Betreuung von Demenzkranken, sondern in der gesamten Pflege stärker zum Einsatz kommt. Bedarf gibt es seiner Ansicht nach genug.

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Renate Freerks, Betreuerin im Demenzzentrum Molbergen (vorn rechts), unterhält sich mit Bewohnerinnen auf Plattdeutsch über Erinnerungen aus längst vergangenen Tagen.
Renate Freerks, Betreuerin im Demenzzentrum Molbergen (vorn rechts), unterhält sich mit Bewohnerinnen auf Plattdeutsch über Erinnerungen aus längst vergangenen Tagen.

Circa 2,5 Millionen Menschen im nördlichen Drittel von Deutschland sprechen nach Angaben des Instituts für Niederdeutsche Sprache Platt. Etwa dreimal so viele verstehen es. „Überall dort, wo der Mensch in Situationen kommt, die ihn verunsichern, wie nach Operationen oder Schlaganfällen, ist Niederdeutsch ein gutes Mittel, um Stabilität zu geben“, meint Siefer. Anfang Juni hatte er deshalb zu einem Studientag nach Oldenburg eingeladen, bei dem verschiedene Experten über die Bedeutung von Plattdeutsch in der Pflege berichteten. An der Berufsschule für Altenpflege in Wildeshausen ist Platt seit 2010 bereits Pflicht. „Der Zugang zu den Patienten ist dadurch wesentlich besser“, sagt Lehrerin Hella Einemann-Gräbert. Doch auch sie weiß: In 30 Jahren wird das wahrscheinlich anders aussehen. „Die Menschen, die Platt so verinnerlicht haben, sterben langsam weg. Aber in solch langen Zeiträumen denken wir nicht.“ dpa

@Informationen: www.demenzzentrum-molbergen.de; www.bundesraat-nd.de

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