ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2013Qualitätsmessung von Krankenhäusern: Die Krankenkasse empfiehlt

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Qualitätsmessung von Krankenhäusern: Die Krankenkasse empfiehlt

Dtsch Arztebl 2013; 110(33-34): A-1544 / B-1363 / C-1341

Osterloh, Falk

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Bei der Wahl eines geeigneten Krankenhauses berät die AOK Nordost ihre Versicherten als erste Krankenkasse auf der Grundlage einer Auswertung von Routinedaten. Die Ärztekammer Berlin befürwortet dieses Verfahren, zeigt aber auch dessen Grenzen auf.

Für therapeutische Herzkatheter bei Patienten ohne Herzinfarkt liegen seit Juli Daten aus dem QSRVerfahren vor. Foto: dpa
Für therapeutische Herzkatheter bei Patienten ohne Herzinfarkt liegen seit Juli Daten aus dem QSRVerfahren vor. Foto: dpa

Um ihre Leistungen abzurechnen, übermitteln Krankenhäuser automatisch anonymisierte Patientendaten an die Krankenkassen. Seit einigen Jahren wertet das Wissenschaftliche Institut der AOK diese Routinedaten für bestimmte Indikationen aus, um die Behandlungsqualität in den Krankenhäusern zu messen. Dafür werden unter anderem Angaben über Erkrankungen und Eingriffe, Liegezeiten und Verlegungen, aber auch über Alter und Geschlecht herangezogen. Das Besondere an diesem Verfahren zur Qualitätssicherung mit Routinedaten (QSR-Verfahren) ist, dass der Werdegang des Patienten auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus verfolgt wird – über insgesamt ein Jahr.

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Thrombosen und Folge-OPs

Betrachtet werden dabei die Indikatoren Sterblichkeit, chirurgische Komplikationen, ungeplante Folge-OPs, Thrombose/Lungenembolie und Oberschenkelhalsbruch. QSR-Daten gibt es zurzeit bei elektiven Leistungen in den Bereichen Knie- und Hüftendoprothetik, Entfernung der Gallenblase sowie therapeutische Herzkatheter. Die Ergebnisse stehen im Internet.

Die AOK Nordost hat sich nun dazu entschlossen, die QSR-Daten auch bei der Beratung ihrer Versicherten zu verwenden. Und nicht nur das. „Wenn ein Versicherter zu uns kommt und uns nach einem guten Krankenhaus fragt, prüft der Kundenberater zunächst, ob der vorzunehmende Eingriff auch ambulant durchgeführt werden kann“, sagte die Geschäftsführerin Stationäre Versorgung der Kasse, Anke-Britt Möhr, bei der Vorstellung des neuen Beratungsangebots im Juli. Wenn ja, rufe er bei dem behandelnden Arzt an und frage, warum der Eingriff stationär erfolgen solle. Sofern der Arzt keine Einwände gegen einen ambulanten Eingriff habe, mache der Kundenberater auf Wunsch des Versicherten einen Termin für einen ambulanten Eingriff aus.

Muss der Eingriff stationär erfolgen, präsentiert der Berater dem Versicherten die Ergebnisse des QSR-Verfahrens. Möhr wies darauf hin, dass dabei auch die Patientenstruktur eines Krankenhauses berücksichtigt werde. Denn bei Krankenhäusern mit vielen alten und multimorbiden Patienten seien auch mehr Komplikationen zu erwarten. Schließlich wird der Versicherte über die Ansichten anderer Patienten informiert, bei denen der Eingriff in der jeweiligen Klinik bereits vorgenommen worden ist. Grundlage dafür ist eine Versichertenbefragung, an der bislang etwa 95 000 Versicherte der AOK Nordost teilgenommen haben.

Dr. med. Werner Wyrwich, Vorstandsmitglied der Ärztekammer Berlin, befürwortet das neue Angebot der Kasse: „Die Verwendung der QSR-Daten ist aus meiner Sicht sinnvoll, weil dabei nicht nur isoliert der Zeitraum des Kranken­haus­auf­enthaltes betrachtet wird, sondern das gesamte folgende Jahr.“ Die AOK Nordost habe als erste Krankenkasse die Forderung der Ärztekammer umgesetzt, die Qualität einer Behandlung anhand von Routinedaten darzustellen.

Grenzen des Verfahrens

Wyrwich wies aber auch auf die Grenzen des Verfahrens hin. So sei darauf zu achten, ob eine Komplikation nach einer Entlassung tatsächlich etwas mit dem Eingriff in dem Krankenhaus zu tun habe. „Wenn bei einer Hüftoperation im Krankenhaus alles glatt gelaufen ist, der Patient aber zu Hause stürzt, die Prothese bricht und er wieder eingewiesen werden muss, hat das nichts mit der erbrachten Qualität der Hüftoperation im Krankenhaus zu tun“, so Wyrwich. Man müsse also im Detail schauen, ob sich die Qualitätsbewertung mittels QSR-Daten so schärfen lasse, dass deren Aussagekraft auf lange Sicht noch besser werde.

Falk Osterloh

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