ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2013Schach: Das Herz schlägt Purzelbäume

SCHLUSSPUNKT

Schach: Das Herz schlägt Purzelbäume

Dtsch Arztebl 2013; 110(33-34): [88]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Mit einigen Mitarbeitern führte ich in den Jahren 1979 und 1981 in München medizinisch-physiologische Untersuchungen an Turnierschachspielern durch. Diese erfolgten im Auftrag des Deutschen Sportbunds, der die Frage „Schach als Sport“ geklärt haben wollte, und der Medizinischen Universitätspoliklinik München mit dem Direktor Prof. Dr. Nepomuk Zöllner, der übrigens im Frühjahr, geehrt von vielen Mitarbeitern, seinen 90. Geburtstag feierte.

War es 1979 ein internationales Großmeisterturnier mit dem damaligen Weltmeister Anatoli Karpow, Exweltmeister Boris Spassky, Robert Hübner, Wolfgang Unzicker und so weiter (auch mir selbst), bei dem die Spieler erfreulicherweise weitgehend kooperierten, so war es 1981 ein ausdrückliches „Medizinschachturnier“ in der Sportschule Grünwald, bei dem die Teilnehmer des C-Kaders des Deutschen Schachbunds sich a priori zu allen Untersuchungen bereiterklären mussten – von der fortlaufenden EKG-Aufzeichnung, Atemfrequenz- und Hautwiderstandsmessung über ständige Blutdruckmessungen, die ganze Blutchemie, Katecholaminwerte im Urin und ergometrische Tests.

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Am unangenehmsten waren aber sicherlich die Blutgasmessungen, bei denen man in dieser „schlechten, alten Zeit“ noch ins Ohrläppchen gestochen wurde – höchst unerfreulich, wenn man in großer Zeitnot und völlig unübersichtlicher Lage auf dem Schachbrett eine wichtige Entscheidung treffen und just in diesem aussagekräftigen Augenblick eine solch schmerzhafte Störung erdulden musste.

Zum einen konnte gezeigt werden, dass beim Turnierschachspieler (also im Wettkampf mit der Schachuhr) die körperlichen Parameter mit denen anderer Sportarten vergleichbar sind, zum anderen konnte in vielen Fällen die Herzfrequenz mit dem Spielverlauf korreliert werden, zum Beispiel eine plötzliche Frequenzspitze bei einem unerwarteten Zug des Gegners oder ein hohes Frequenzplateau bei einem undurchschaubaren Durcheinander auf dem Brett. Nicht von ungefähr wird Schach in den meisten Ländern als Sport angesehen und waren Karpow und Kasparow in der UDSSR wie auch der jetzige Weltmeister Anand in Indien mehrfach Sportler des Jahres.

Nun aber zum letzten Ärzteschachturnier in Bad Neuenahr, bei dem sicher auch der Puls vieler Teilnehmer Kapriolen schlug, beispielsweise als die Partie zwischen Dr. Georg Hahn und Dr. Siegmar Gottwald in beiderseitiger, hanebüchener Zeitnot schließlich „gerecht“ remis endete oder aber auch, als Dr. Gottwald gegen Dr. Wilhelm Burow eine durchschlagende Kombination glückte.

Scheinbar ist bei Schwarz alles bestens gesichert, am Zug würde er sogar mit 1. . . . Txf3 angesichts des unsicheren weißen Königs im Eck gewinnen. Doch am Zug war Dr. Gottwald als Weißer, und er konnte die Partie schlagkräftig beenden. Wie?

Lösung:

Nach dem Damenopfer 1. Dxe6+! Dxe6 2. Txg7+ war Schwarz angesichts der furchtbaren Fernwirkung des Läufers b2 rettungslos verloren und gab nach 2. . . . Kh8 und dem Abzugsschach 3. Tg6+ bereits auf, weil er nach 3. . . . Tf6 4.Lxf6+ Dxf6 5. Txf6 einen ganzen Turm weniger hätte.

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