ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2013Bonusregelungen: Alles offenlegen!

THEMEN DER ZEIT: Kommentar

Bonusregelungen: Alles offenlegen!

Dtsch Arztebl 2013; 110(33-34): A-1555 / B-1371 / C-1357

Glaßmeyer, Michael

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Dr. med. Michael Glaßmeyer, Ärztlicher Direktor, St.-Rochus-Hospital, Castrop-Rauxel
Dr. med. Michael Glaßmeyer, Ärztlicher Direktor, St.-Rochus-Hospital, Castrop-Rauxel

Die Berichterstattung der vergangenen Monate erweckt den Eindruck, dass erst die Organskandale in Göttingen, Regensburg und München die Diskussion über die erfolgsabhängigen Bonuszahlen in Chef- und Oberarztverträgen ausgelöst haben. Tatsächlich haben der Verband der Leitenden Krankenhausärzte, die Bundes­ärzte­kammer und der Marburger Bund bereits im Jahr 2002 die Empfehlungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zu variablen Vergütungsbestandteilen im Sinn von mengenorientierten und erfolgsabhängigen Bonuszahlungen kritisiert und abgelehnt. Richtig ist allerdings, dass es erst zu schwersten Schäden bei Patienten und einem deutlichen Vertrauensverlust in das Gesundheitssystem kommen musste, bevor eine öffentlich wirksame Diskussion die politische Ebene zu – wenn auch nur marginalen – Korrekturen dieser fehlerhaften Praxis gezwungen hat. So muss nach § 137 Sozialgesetzbuch V künftig jedes Krankenhaus in seinem Qualitätsbericht eine Erklärung darüber ausweisen, ob es bei Verträgen mit leitenden Ärzten die DKG-Empfehlungen zu leistungsbezogenen Zielvereinbarungen einhält. Diese schließen finanzielle Anreize für einzelne Operationen/Eingriffe oder Leistungen jetzt explizit aus, „um die Unabhängigkeit der medizinischen Entscheidung zu sichern“.

Das Verbot, Bonuszahlungen für einzelne Leistungen auszuschließen, für das Gesamtpaket aber sehr wohl finanzielle Anreize zu setzen, ist aber nicht stringent. Ein Gesamtpaket an Leistungen besteht aus vielen Einzelleistungen. Knüpft man also die Steigerung zum Beispiel der Gesamtfallzahl an finanzielle Boni, so ist dies ohne eine Steigerung von Einzelfällen naturgemäß nicht möglich. Diese Kopplung des ökonomischen Aspekts mit ärztlichen medizinischen Gesichtspunkten konterkariert das Berufsethos des Arztes und widerspricht letztlich auch der ärztlichen Berufsordnung. Der Schaden für das Ansehen Leitender Ärzte in der Öffentlichkeit ist bereits heute sichtbar. Da die Leitenden Ärzte, die den Ruf einer Klinik prägen, ein nicht unerheblicher Faktor für die Akzeptanz einer Gesundheitseinrichtung sind, kann dies auch nicht im Sinne des Krankenhausträgers sein.

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Per se waren und sind Leitende Ärzte in der wirtschaftlichen Verantwortung für ihre Abteilung, für ihr Krankenhaus. Sie stellen sich dieser Herausforderung seit Jahrzehnten erfolgreich. Wirtschaftliche Verantwortung bedeutet allerdings nicht: Aufgabe der Weisungsunabhängigkeit von nichtärztlichen Dritten, Aufgabe der Unabhängigkeit des ärztlichen Berufsstandes und Aufgabe der Anwaltstätigkeit für unsere Patienten zugunsten nicht näher definierter Budgetverantwortung.

Bonussysteme, die Qualitätssicherungsmaßnahmen implizieren – genannt seien hier beispielhaft eine Reduktion nosokomialer Infektionen, perioperativer Komplikationen und die Berücksichtigung von Leitlinien –, sind sinnvolle, dem Patienten und damit auch dem Krankenhaus nutzende Handlungsmöglichkeiten.

Entscheidend ist, Transparenz zu schaffen mit der Verpflichtung der Krankenhäuser, alle Bonusregelungen zu veröffentlichen, also nicht nur die leistungsbezogenen. Dann kann sich jede Patientin und jeder Patient, wenn es der Gesundheitszustand erlaubt, darüber informieren, wie die „budgetäre Gesamtverantwortungsgröße“ in der ins Auge gefassten Klinik praktiziert wird.

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