ÄRZTESTELLEN

Zufriedenheit im Beruf: Wertvorstellungen als Richtschnur des Handelns

Dtsch Arztebl 2013; 110(33-34): [2]

Madel, Michael

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Foto: Fotolia/Azuki
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In fünf Schritten zur werteorientierten Führung

Der Arzt kann seine Lebens- und Berufsziele dann am ehesten verwirklichen, wenn sein Handeln mit seinen individuellen Wertvorstellungen übereinstimmt. Er sollte darum feststellen, welche „Werteleitplanken“ seinem Leben Halt, Orientierung und Sinn geben, um diese Leitplanken in seinem beruflichen Wirken zu verankern.

Schritt 1

Eine persönliche Werteliste erstellen

Wie kann der Arzt seine Leitwerte systematisch erfassen? Die Kommunikationstrainerin Stefanie Demann schlägt in ihrem Buch „Selbstcoaching“ vor, eine Werteliste zu erstellen.

Der Arzt beschäftigt sich intensiv mit der Frage: „Welche Werte sind mir wichtig?“. Die persönlichen Werte zeigen an, was ihn antreibt und was ihn zufrieden macht. Nach Demann können dies zum Beispiel die folgenden Werte sein: Ruhm, Freiheit, Sicherheit, Macht, Schönheit, Unabhängigkeit, Geld, Verantwortung, Harmonie, Selbstbestimmung, Anerkennung, Gleichberechtigung, Taktgefühl, Glauben, Gerechtigkeit, Kollegialität, Einfluss, Ehre, Zeit, Disziplin, Risiko, Selbstakzeptanz, Beziehung, Beliebtheit, Bescheidenheit, Liebe, Freundschaft, Gesundheit, Glück, Vertrauen, Erfolg, Abenteuer, Würde oder Solidarität.

Der Arzt setzt sich mit der Werteliste so lange auseinander, bis die drei für ihn wichtigsten Werte übrig bleiben.

Schritt 2

Ungleichgewichte analysieren

Danach fragt sich der Arzt, ob sich diese Werte in seinem Leben wiederfinden und in seinem Privatleben und Berufsleben eine Rolle spielen oder nicht: „Inwiefern spiegeln sich diese drei Werte in meiner Mitarbeiterführung und in meiner Patientenkommunikation wider?“

Wenn er dabei eine „Wertediskrepanz“ feststellt, geht er in die Tiefe: „Was muss ich ändern, damit sich die mir wichtigen Werte in allen Lebensbereichen wiederfinden, auch im Berufsleben?“ Konkretes Beispiel: Der Arzt setzt auf Gleichberechtigung und Gerechtigkeit, führt die Mitarbeiter jedoch autoritär und lässt ihnen wenig Spielraum, eigene Vorstellungen einzubringen. Diese Diskrepanz hat negative Auswirkungen nicht nur auf die Mitarbeitermotivation, sondern auch auf das Betriebsklima. Denn die Teammitglieder merken natürlich, dass bei dem Arzt Worte und Taten nicht übereinstimmen.

Schritt 3

Einen Veränderungsprozess einleiten

Jetzt kann der Arzt einen Veränderungsprozess in Gang setzen. Wieso eigentlich gibt es jene Diskrepanz zwischen seinen Werten und den Leitlinien seiner Mitarbeiterführung? Er geht in die Selbstreflexion, spricht mit Bekannten und eventuell auch Vorgesetzten und stellt fest: Er ist der Meinung, dass Mitarbeiter grundsätzlich Anleitung brauchen und dazu tendieren, sich am Arbeitsplatz nicht hundertprozentig zu engagieren. Dies führt zu Misstrauen gegenüber den Mitarbeitern. Nun verfügt er über einen konkreten Anhaltspunkt und fragt sich, wie er dieses Misstrauen abbauen kann.

Schritt 4

„Un-Werte“ analysieren

Der Arzt geht die Werteorientierung zudem von der anderen Seite an und ermittelt seine „Un-Werte“. Stefanie Demanns Vorschlag an dieser Stelle lautet: „Ergänzen Sie den Satz: ‚Um Menschen, die über andere lästern, mache ich einen Bogen.‘“ Die Unwerte, die in dem Beispiel stecken, sind Intoleranz, Überheblichkeit, Verachtung, Respektlosigkeit, Arroganz und Engstirnigkeit.

Solche Satzergänzungen helfen dem Arzt, seinen Un-Werten auf die Spur zu kommen, und sie sensibilisieren ihn dafür, in der Mitarbeiterführung und in der Patientenkommunikation anders vorzugehen.

Schritt 5

Ein stimmiges Verhalten anstreben

Wir denken allzu selten darüber nach, welche tieferen Antriebe uns steuern und motivieren. Jedoch: Die Beschäftigung mit den Werteleitplanken führt zu einem stimmigen Verhalten des Arztes, weil so die Wahrscheinlichkeit steigt, dass es keinen Widerspruch gibt zwischen seinen Überzeugungen und Verhaltensweisen.

Wiederum dient ein Beispiel der Verdeutlichung: Handelt der Arzt auf der Basis seiner Überzeugung, das Patientenwohl sei das höchste Gut, werden sich seine Verhaltensweisen dieser Überzeugung anpassen. Die Konsequenz: Er wird vom Patienten als authentische und glaubwürdige Persönlichkeit wahrgenommen.

Umgekehrt gilt: Wer nach außen hin äußert, er diene dem Patientenwohl, aber tief in seinem Inneren den Patienten lediglich als Mittel zum Zweck ansieht, wird nie kongruent handeln, weil er nicht seinen Werten gemäß handelt. Und das merkt der Patient – und sucht beim nächsten Mal eine andere Praxis oder eine andere Klinik auf.

Dr. Michael Madel

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