ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2013Frage der Woche an . . . Dr. med. Rumen Alexandrov, Fachlicher Leiter Arbeitsmedizin bei der TÜV Süd Life Service GmbH

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Dr. med. Rumen Alexandrov, Fachlicher Leiter Arbeitsmedizin bei der TÜV Süd Life Service GmbH

Was können Unternehmen und Mitarbeiter tun, um die negativen Folgen der Schichtarbeit zu mindern?

Dtsch Arztebl 2013; 110(33-34): [4]

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Dr. med. Rumen Alexandrov
Dr. med. Rumen Alexandrov

Manche Berufsgruppen haben keine Wahl, sie müssen auch nachts und am Wochenende arbeiten. Dazu zählen Polizisten, Industriearbeiter und natürlich auch das Krankenhaus- und Pflegepersonal. Doch das Leben gegen den natürlichen Rhythmus des Körpers führt zu gesundheitlichen Beschwerden und beeinträchtigt das eigene soziale Leben.

Was können Unternehmen und Mitarbeiter tun, um die negativen Folgen der Schichtarbeit zu mindern?

Anzeige

Alexandrov: Schichtarbeit bedeutet ein Leben gegen die innere Uhr: Arbeiten, wenn der Körper auf Schlaf eingestellt ist, und schlafen, wenn er eigentlich aktiv ist. Das kann zum einen die Konzentration, Produktivität und das Reaktionsvermögen negativ beeinflussen und zum anderen zu körperlichen Beschwerden führen. Magen-Darm-Störungen, Ein- und Durchschlafprobleme sowie ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigsten Auswirkungen. Weitere Folgen können Kopfschmerzen, Nervosität und Depressionen sein. In den ersten zwei bis drei Jahren werden die Beschwerden oft nicht bemerkt. Doch sie werden schnell chronisch. Der verschobene Tagesrhythmus kann außerdem zu einer Desozialisierung führen, weil Familie und Freunde einen völlig anderen Tagesablauf haben.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Prävention. Ein wichtiger Bestandteil ist eine regelmäßige arbeitsmedizinische Untersuchung. Nachtarbeitnehmer haben das Recht, sich vor Beginn der Beschäftigung und danach in regelmäßigen Abständen untersuchen und über allgemeine und individuelle Gesundheitsgefahren sowie deren Vorbeugung beraten zu lassen. Unternehmen können das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter außerdem fördern, indem sie Schichtmodelle einführen, die eine geringere Belastung mit sich bringen. Dazu gehört, dass die Schichten vorwärts rotieren, also die Reihenfolge Früh-, Spät-, Nachtschicht eingehalten wird, und nicht mehr als drei Nachtschichten hintereinander eingeplant sind. Daneben sind die Ruhezeiten zwischen zwei Schichten ausreichend lang zu gestalten – ein Minimum von elf Stunden wird empfohlen.

Vom Unternehmen sollten zudem ein Pausenraum zur Verfügung gestellt und auch nachts gesunde Mahlzeiten angeboten werden. Die Einrichtung einer auf die Schichtzeiten zugeschnittenen Kinderbetreuung ist vor allem für Mütter eine große Erleichterung, weil diese ihre Doppelbelastung etwas reduziert und einen längeren Tagschlaf ermöglicht. Die Schichtarbeiter selbst haben ebenfalls Möglichkeiten, ihre physische und psychische Gesundheit zu erhalten. Besonders wichtig sind eine gesunde und regelmäßige Ernährung sowie ein angepasstes Schlafverhalten. Ein dunkler, ruhig gelegener und kühler Raum verbessert die Schlafqualität und -länge spürbar. Daneben sollten soziale Kontakte und sportliche Aktivitäten nicht vernachlässigt werden. Das sind die besten Gelegenheiten, neue Kraft und Energie für die nächste Nachtschicht zu schöpfen.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.