ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2013Umgangssprachliche Ungenauigkeit führt zu falscher Therapieempfehlung
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Zahlenmäßig am häufigsten ist bei Tumorpatienten der Belastungsschmerz („incident pain“), seltener der „end of dose“ Schmerz sowie Mischformen und Überlagerungsphänomene. Echte Durchbruchschmerzen, die in der Schmerztherapie als eigenständiger „Typus“ beschrieben werden, sind hingegen sehr selten. Die Autoren definieren Durchbruchschmerzen korrekt als vorübergehende Exazerbation eines primär gut therapierten Dauerschmerzes (1). In Ergänzung sei noch erwähnt, dass die Häufigkeit des „echten“ Durchbruchschmerzes nicht durch Erhöhung der Opiatbasismedikation beeinflusst werden kann.

Im Alltag hat leider der Begriff des Durchbruchschmerzes eine Verallgemeinerung und Universalität erfahren, er wird vielfach für alle zusätzlichen Schmerzzustände bei Tumorpatienten verwendet.

Die am häufigsten vorkommende Schmerzexazerbation bleibt der Belastungsschmerz, der primär keiner Therapie mit schnell wirkenden Fentanylpräparaten bedarf. Die betroffenen Patienten können gut aufgeklärt und instruiert werden, wie sie sich bei anbahnenden Schmerzen verhalten sollen. Zur Therapie sind die herkömmlichen schnell und kurz wirkenden Morphin- und Hydromorphon-Präparate sehr gut geeignet und effektiv wirksam.

Die erhöhte Gefahr eines Opioid-Abusus und einer Abhängigkeit ist bei den neuen schnell wirkenden Fentanyl-Präparaten nicht zu unterschätzen, insbesondere wenn der Patient bereits eine Neigung zu Suchtverhalten (Alkohol, Nikotin et cetera) zeigt. Auch die Fahrtüchtigkeit ist bei Applikation von rasch verfügbaren Fentanyl-Präparaten nicht mehr gegeben, anders als unter stabiler Einstellung mit retardiertem Morphin.

Nicht nur aus Kostengründen sollte die Indikation für „transmukosales“ Fentanyl streng gestellt werden bei: „echten“ Durchbruchschmerzen und Therapieversagen der konventionellen schnell wirkenden Opiate.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0598a

Willi Ketterer 

Palliativstation am DRK Krankenhaus Neuwied

willi.ketterer@drk-kh-neuwied.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Bornemann-Cimenti H, Wejbora M, Szilagyi IS, Sandner-Kiesling A: Fentanyl for the treatment of tumor-related breakthrough pain. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(16): 271–7 VOLLTEXT
1.Bornemann-Cimenti H, Wejbora M, Szilagyi IS, Sandner-Kiesling A: Fentanyl for the treatment of tumor-related breakthrough pain. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(16): 271–7 VOLLTEXT

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