ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2013Börsebius: Gelbe Schnapsidee

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Börsebius: Gelbe Schnapsidee

Dtsch Arztebl 2013; 110(35-36): A-1642 / B-1450 / C-1430

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Der Philipp Rösler, der traut sich was. Des Wirtschaftsministers mutige Idee war dem „Handelsblatt“ neuerdings und im ausgehenden Sommerloch sogar eine umfangreiche Titelgeschichte wert. Der Neue Markt soll demnach wieder auferstehen, vielleicht nicht wie Philipp aus der Asche, aber halt doch irgendwie als tolles Projekt unter die Leute gebracht werden. Offenbar trafen sich im Juni dieses Jahres Vertreter des Wirtschaftsministeriums mit dem Bundesverband Deutsche Start-ups und der Deutschen Börse AG, um die Chancen für eine Wiederbelebung des Neuen Marktes auszuloten.

Der Wirtschaftsminister trat jüngst dann auch mächtig stolz vor die Presse, die Reanimation dieses Börsensegments sei vor allem deswegen gut, weil sich damit junge Technologiefirmen wichtige Kapitalquellen für ihr Wachstum erschließen könnten. Eine starke deutsche Internetwirtschaft sei doch ein wirklich erstrebenswertes Ziel, so ein Art German Silicon Valley. „Ich glaube schon, wenn wir das klug machen, dass es dann auch Investoren gibt“, so dazu die Rösler’sche Sprechblase, die alles und nichts aussagt.

Alles was recht ist, und auch wenn Wahlkampf ist und allerorten ziemlicher Unsinn verzapft wird: Wer oder was hat denn den Philipp Rösler geritten, so einen Quatsch in Gang zu setzen?

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Der Begriff „Neuer Markt“ ist so verbrannt, wie es schlimmer nicht geht. Und das zu Recht. Zigtausende Anleger verbrannten sich vor mehr als zehn Jahren in dieser Zockerbude die Finger, verloren fast Haus und Hof und in einigen Fällen wohl sogar auch das. Mir berichten heute noch Leute, dass sie immer noch finanziell unter den Spätfolgen ihrer horrenden Verlust zu leiden hätten. Unzählige Firmenpleiten pflastern die Geschichte des Neuen Marktes, und sein unrühmliches Ende betrauerte am Ende niemand.

Klar ist die Idee, jungen Unternehmen Kapital zuzuführen, im Prinzip richtig. Aber doch nicht über die Wiederbelebung einer mehr oder weniger unregulierten börslichen Achterbahn. Es gibt heute schon den (relativ) gut funktionierenden „Entry Standard“, und mehr ist auch nicht nötig. Wirklich nicht.

Der „neue“ Neue Markt ist vor allem dies: eine ziemliche Schnapsidee. Und wenn die Chose den Zweck hatte, Wähler zu begeistern, dann kann das nur noch schiefgehen. All die Geschädigten haben ja ein ordentlich funktionierendes Langzeitgedächtnis. Gelb, liberal, sinnlos. Dumm gelaufen.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 7. September 2013 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.

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