ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2013Chirurgischer Nachwuchs: Perspektivforum Junge Chirurgie gegründet

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Chirurgischer Nachwuchs: Perspektivforum Junge Chirurgie gegründet

Dtsch Arztebl 2013; 110(35-36): A-1645 / B-1453 / C-1433

Achatz, Gerhard

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Das Perspektivforum Junge Chirurgie bietet Vertretern aller chirurgischen Fachrichtungen eine Plattform zum interdisziplinären Austausch und zielt darauf ab, die Einheit des Faches zu fördern.

Der Ärztestatistik zufolge befanden sich in Deutschland 2011 fächerübergreifend etwa 9 800 Assistenten in der chirurgischen Weiterbildung, wobei der chirurgische Nachwuchs in Deutschland heute vor vielfältigen Herausforderungen steht. Junge Chirurginnen und Chirurgen müssen oftmals einen Spagat meistern, um ihren beruflichen und sozialen Rollen gerecht zu werden. Diese jungen Ärzte brauchen deshalb dringend eine Stimme, die sich ihrer Belange annimmt und die kommenden Entwicklungen begleitet.

Dazu gibt es derzeit Vertretungen, wie zum Beispiel Junge Foren in den verschiedenen chirurgischen Fachgesellschaften, wobei sich deren Implementierung sehr unterschiedlich darstellt.

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Einerseits gibt es Vertretungen, die mit einem Sitz im geschäftsführenden Vorstand ihrer Fachgesellschaft die Interessen junger Kollegen vertreten können, andererseits aber auch Vertretungen, die keinen offiziellen Status innehaben, weil Assistenzärzte nur als außerordentliche Mitglieder in der Fachgesellschaft geführt werden.

Dabei wird die Arbeit in den jeweiligen Fachgebieten zunehmend anspruchsvoller. Betrachtet man beispielsweise den Bereich der Weiterbildung, so soll trotz strenger Arbeitszeitregelungen weiterhin eine hochwertige Aus- und Weiterbildung erfolgen, um die Versorgungsqualität nachhaltig zu sichern. Parallel dazu werden in den Krankenhäusern traditionelle Organisationsstrukturen, wie eine typische Klinikgliederung durch Vertrags-, Beleg- oder Honorararztmodelle, aufgebrochen. Bleibt zu hinterfragen, wie Weiterbildung eigentlich noch strukturiert stattfinden soll und wer überhaupt als Weiterbilder fungieren soll.

Ergänzend zeigen aktuelle Studien über die Generation Y, aus der sich die Chirurgen der kommenden Jahre rekrutieren, aber auch eine veränderte Einstellung zum Beruf. Die Bereitschaft, persönlichen Einsatz über die vorgegebenen Rahmenbedingungen hinaus für die Weiterbildung zu erbringen, sinkt. Umgekehrt werden viel mehr strukturierte Aus- und Weiterbildungsmodelle mit hohem Outcome und optimierter Organisation gefordert.

Vor diesem Hintergrund hatte das Junge Forum der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) erstmals Ende 2011 Assistentenvertreter aller chirurgischen Fachgesellschaften und Berufsverbände zu einer ersten Perspektivtagung nach München eingeladen. Man wollte Gemeinsamkeiten erarbeiten und die Notwendigkeit einer interdisziplinären Zusammenarbeit prüfen. Alle acht chirurgischen Fachgesellschaften und der Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) folgten der Einladung. Als Themenschwerpunkte kristallisierten sich „Aus- und Weiterbildung“, „Familie und Beruf“ sowie „Wissenschaft und Forschung“ heraus.

Chirurgie: Die Einstellung zum Beruf verändert sich bei der jungen Generation. Foto: dpa
Chirurgie: Die Einstellung zum Beruf verändert sich bei der jungen Generation. Foto: dpa

Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) als chirurgischer Dachverband der jeweiligen Fachgesellschaften unterstützte die erste Perspektivtagung. Ihr damaliger Präsident, Prof. Dr. med. Karl-Walter Jauch, unterstrich die Bedeutung dieser Initiative durch seine Teilnahme an der Tagung. Er stellte dem Gremium eine Integration in die DGCH in Aussicht. Bedauerlicherweise wurde dies bis heute nicht realisiert. Trotzdem wurde eine weitere Zusammenarbeit der „Jungen“ in der Chirurgie und die Fortführung dieser interdisziplinären Idee als mehr als nur sinnvoll erachtet und in diesem Jahr in München die zweite Perspektivtagung im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie abgehalten. Von dort kam das Signal, die Initiative in jedem Fall weiterzuführen. Es wurden erste konkrete Projekte besprochen, die Organisationsstruktur weiterentwickelt und das Perspektivforum Junge Chirurgie gegründet.

Das Perspektivforum versteht sich als Interessenverbund und Arbeitsgruppe. Gebildet und getragen wird es durch die Assistentenvertretung aller chirurgischen Fachgesellschaften und Vertreter der chirurgischen Berufsverbände. Es sollen jährlich zwei Arbeitssitzungen sowie mehrere Workshops stattfinden.

Intensiv befassen wird sich das Perspektivforum Junge Chirurgie mit dem fehlenden Interesse unter Studierenden an vielen chirurgischen Disziplinen und versucht, Ursachen dafür zu finden und ihnen entgegenzuwirken.

Die aktuellen berufspolitischen Themen in den chirurgischen Disziplinen zeigen, dass die interdisziplinäre Zusammenarbeit auf der Ebene der Assistenten über die Fachgebietsgrenzen hinaus notwendig ist. Das Perspektivforum Junge Chirurgie bietet hier eine entsprechende Plattform. Die Einbindung in die DGCH als chirurgische Dachgesellschaft erscheint weiterhin eine Option zu sein.

Da aktuell die „Einheit der Chirurgie“ häufig diskutiert und teilweise infrage gestellt wird, ist die Gründung des Perspektivforums Junge Chirurgie ein Schritt in die richtige Richtung. Trotz der zunehmenden Spezialisierung in den einzelnen chirurgischen Fachdisziplinen gibt es genügend Gemeinsamkeiten, diese Einheit im Perspektivforum Junge Chirurgie zu beleben.

Dr. Gerhard Achatz,
Sprecher des Perspektivforums Junge Chirurgie

Koautoren: Thilo Noack, Dr. Dr. med. Majeed Rana, Dr. med. Matthias Münzberg

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