ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2013Augenheilkunde: Weitgehend ambulante Versorgung

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Augenheilkunde: Weitgehend ambulante Versorgung

Dtsch Arztebl 2013; 110(35-36): A-1634 / B-1442 / C-1424

Hahn, Ursula

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Mit „Sehen im Alter: Versorgungsstrukturen und -herausforderungen in der Augenheilkunde“ leistet das Autorenteam Pionierarbeit: Es verknüpft Daten verschiedener Quellen, stellt Angaben zumindest nebeneinander und greift auch auf bislang unveröffentlichte Daten zurück, unter anderem solche der Kassenärztlichen Vereinigungen. So erfährt man zum Beispiel, dass das vermeintlich so kleine Fach Augenheilkunde gar nicht so klein ist: Jeder vierte gesetzlich Krankenversicherte sucht mindestens einmal jährlich den Augenarzt auf. Da die Zahl der Fachärzte für Augenheilkunde vergleichsweise klein ist, werden mehr Patienten pro Arzt versorgt als in anderen Fächern.

Der Anteil unter den Patienten, die 65 Jahre oder älter sind, ist fast doppelt so hoch wie deren Anteil in der Bevölkerung. Ihre Bedürfnisse lassen eine der perspektivisch stärksten Nachfragesteigerungen erwarten: Die altersbedingte Makuladegeneration oder das diabetische Makulaödem müssen behandelt werden, hinzu kommen neue Therapien wie die jährlich bis zu siebenmal durchzuführende intravitreale operative Medikamenteneingabe.

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Für die Versorgung gerade der älteren Patienten ist von Interesse, wo sie behandelt werden können. Die Augenheilkunde ist ein weitgehend ambulant ausgeübtes Fach. 84 Prozent der Augenärzte arbeiteten im Jahr 2011 bereits ambulant. Selbst die Chirurgie findet in der Augenheilkunde zunehmend ambulant statt. Das bedeutet zum Beispiel für Steuerungsstrategien: Wer die Leistungen in den Krankenhäusern ausweiten will, um Versorgungsengpässen im ambulanten Sektor zu begegnen, wird in der Augenheilkunde kaum mehr Erfolg haben.

Die Augenheilkunde könnte aber Vorbild für eine Neuausrichtung des ambulanten Sektors werden, wie die Autoren zeigen: 2010 arbeiteten schon 41 Prozent der ambulant tätigen Augenärzte in kooperativen Organisationsformen. Die Zahl der in Gemeinschaftspraxen arbeitenden Augenärzte ist innerhalb von nur neun Jahren um fast die Hälfte gestiegen (von mehr als 1 500 im Jahr 2000 auf knapp 2 300 in Jahr 2009), die der angestellten Augenärzte um nahezu 600 Prozent (von 50 auf 344). Eine wichtige Entwicklungstendenz ist die Weiterentwicklung von ambulant-chir-urgischen Praxen zu größeren Medizinischen Versorgungszentren.

Die Autorengruppe fokussiert die Datenanalyse letztlich auf die Frage, wie gut die Augenheilkunde auf die Herausforderungen als geriatrisches Fach vorbereitet ist. Ihr Urteil fällt durchwachsen aus. Die Augenheilkunde bietet nach Ansicht der Autoren zwar grundsätzlich eine wohnortnahe ambulante Versorgung gerade auch bei operativen Leistungen. Schon heute gilt jedoch die flächendeckende augenärztliche Versorgung nicht immer als gewährleistet.

Auch bei Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen sehen die Autoren deutliche Defizite und untermauern dies mit den Ergebnissen aus einer im Band publizierten Befragung von 405 Seniorinnen und Senioren im Alter zwischen 60 und 106 Jahren: Während 71 Prozent der selbstständig lebenden Befragten regelmäßig den Augenarzt sahen, waren es nur 51 Prozent der Heimbewohner. Ursula Hahn

Volker Amelung, Nina Bucholtz, Anika Brümmer, Christian Krauth (Hrsg.): Sehen im Alter − Versorgungsstrukturen und -herausforderungen in der Augenheilkunde. Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2012, 184 Seiten, 48 Abbildungen, 70 Tabellen, kartoniert, 64,95 Euro

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