ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2013Zwangsbehandlung: Bessere Personalausstattung erforderlich
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Fast allen Inhalten dieser Stellungnahme kann auch aus praktischer psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht nur zugestimmt werden. Die Formulierung „eine Fremdgefährdung durch den Patienten kann in der Regel durch die Unterbringung des Patienten weitgehend abgewendet werden“ greift allerdings deutlich zu kurz, da sie nur die Perspektive der Öffentlichkeit wiedergibt und die Situation innerhalb der psychiatrischen Kliniken völlig ausblendet. Das Fremdaggressionspotenzial dieser sehr kleinen Gruppe psychisch kranker Menschen (zum Beispiel mit akuten psychotischen Erkrankungen oder Intoxikationen) wird durch die unfreiwillige Unterbringung in der geschlossenen Aufnahmestation des regional zuständigen psychiatrischen Versorgungskrankenhauses nämlich nicht zwangsläufig geringer, sondern oft noch viel stärker. Das aggressive Verhalten richtet sich dann aber nicht mehr gegen die Öffentlichkeit, sondern gegen Mitpatienten oder gegen das auf dieser Station tätige Personal, das den Auftrag zur Deeskalation hat. Um dieser sowohl für Mitpatienten als auch für das Personal gefährlichen Situation adäquat begegnen zu können, ist gerade bei der aktuellen, mit sehr eingeschränkten pharmakologischen Behandlungsmöglichkeiten einhergehenden Rechtslage eine deutlich bessere Personalausstattung der psychiatrischen Versorgungskrankenhäuser erforderlich geworden, der unbedingt Rechnung getragen werden muss.

Prof. Dr. med. Andreas J. Fallgatter,
Ärztlicher Direktor,
Prof. Dr. Anil Batra,
Stellvertretender Ärztlicher Direktor,
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
Universität Tübingen, 72076 Tübingen

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