ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2013HTA-Bericht: Nutzen der palliativen Musiktherapie unklar

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HTA-Bericht: Nutzen der palliativen Musiktherapie unklar

Dtsch Arztebl 2013; 110(35-36): A-1633 / C-1423

EB

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Mehr Studien sind nötig, um die Wirkungen von Musiktherapie in der Palliativmedizin zu beurteilen. Foto: picture alliance
Mehr Studien sind nötig, um die Wirkungen von Musiktherapie in der Palliativmedizin zu beurteilen. Foto: picture alliance

Die Versorgung unheilbar erkrankter Menschen in Hospizen und auf Palliativstationen zielt darauf ab, Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu unterstützen und ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Inwieweit dabei Musik als Therapie die Lebensqualität steigern kann, haben jetzt Wissenschaftler im Auftrag des DIMDI – Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information untersucht.

In der Forschung werden vereinzelt Hinweise auf eine Wirksamkeit von Musiktherapie diskutiert. Um dies in der palliativen Versorgung evidenzbasiert zu bewerten, erstellte ein Team Münchener Forscher den Bericht im Rahmen eines Health Technology Assessments (Dieter Korczak, Michael Schneider und Monika Wastian: „Musiktherapie im palliativen Setting“).

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In der untersuchten Literatur fanden die Autoren nur Hinweise auf schwache Wirkungen von Musiktherapie. So verbesserte sich in einzelnen Studien die Lebensqualität geringfügig. In einer Arbeit konnten spezielle entspannungsfördernde Ansätze die Atemnot der Patienten leicht reduzieren. Generell trägt Musiktherapie zu mehr Entspannung und positiverer Grundstimmung bei. Bei Schmerzen sind die Ergebnisse jedoch widersprüchlich. Auch Angstgefühle verringerten sich nicht maßgeblich.

In die Recherche konnten die Autoren nur sechs relevante Publikationen einbeziehen. Schon deshalb bewerten sie daraus abgeleitete Effekte für die Musiktherapie kritisch. Auch sei die Qualität dieser Arbeiten gering. Vor diesem Hintergrund spricht der Bericht keine Empfehlungen für oder gegen Musiktherapie in der Palliativmedizin aus. Die Autoren fordern qualitativ hochwertige Studien, um klare Aussagen treffen zu können. Sie empfehlen, vor allem die Nachhaltigkeit von Effekten und spezifische Therapieansätze zu untersuchen.

Der HTA-Bericht ist in der DAHTA-Datenbank beim DIMDI (www.dimdi.de) und im HTA-Journal bei German Medical Science kostenfrei als Volltext abrufbar. EB

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Avatar #87626
bach
am Donnerstag, 12. September 2013, 12:39

Wie Musik schon bei Gesunden wirken kann...

Schon die Hintergrundsmusik in Geschäften löst bei mir Fluchtreflexe aus. Wenn ich mal im Hospiz ans Bett gefesselt Klangkörpermusik ertragen müsste, würde die Überlebenszeit mir unerträglich werden.
Eine schöne Bach-Kantate hilft mir mehr.
Avatar #97143
michelvoss
am Montag, 9. September 2013, 12:37

Studiengang Klinische Musiktherapie: Mit Musik kranken Menschen helfen.

Dtsch Arztebl 2013; 110(29-30): [103] / [103] / [103]
http://www.aerzteblatt.de/archiv/143477

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