ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2013Einkommen von Psychotherapeuten: Weit abgeschlagen

EDITORIAL

Einkommen von Psychotherapeuten: Weit abgeschlagen

PP 12, Ausgabe September 2013, Seite 385

Bühring, Petra

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Psychologische und ärztliche Psychotherapeuten verdienen deutlich weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens der somatisch tätigen Ärzte. Das Statistische Bundesamt hat Mitte August seine jüngste Kostenstrukturanalyse von Praxen für das Jahr 2011 vorgelegt. Die Zahlen werden alle vier Jahre erhoben; zugrunde liegen allerdings nur Datensätze von etwa 4 000 Praxen, die ihre Angaben freiwillig machen. Im Vergleich zu 2007 konnten Psychotherapeuten ihren Reinertrag zwar um 19 Prozent steigern. Sie kamen im Jahr 2011 auf einen Reinertrag (Gewinn vor Steuern und Altersvorsorge) von 61 000 Euro. Ärzte hingegen erwirtschafteten im Durchschnitt einen Reinertrag von 166 000 Euro. Je nach Fachrichtung gab es dabei große Unterschiede: Orthopäden beispielsweise erzielten Reinerträge von 293 000 Euro, Hausärzte verbuchten 181 000 Euro. Ein stark steigender Anteil der Einnahmen der Ärzte stammte der Erhebung zufolge aus Abrechnungen mit privaten Kran­ken­ver­siche­rungen (PKV). Diese erhöhten sich in den vier Jahren um ungefähr 32 Prozent. Bei den Psychotherapeuten betrug der Anteil der Einnahmen aus der PKV 2011 etwa 17 Prozent, wobei es kaum Unterschiede bei der Vergütung der Behandlung von gesetzlich und privat Versicherten gibt.

Sowohl die Deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung (DPtV) als auch der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten kritisieren zu Recht die offensichtliche Benachteiligung der Psychotherapeuten bei der ärztlichen Honorarverteilung. Trotz ähnlicher Arbeitszeiten stehen sie – weit abgeschlagen – am untersten Ende der Einkommensskala. Dieter Best, Bundesvorsitzender der DPtV, weist zudem darauf hin, dass die somatisch tätigen Arztgruppen durch die jährlichen regionalen Honorarverhandlungen deutlich zugelegt haben, nicht jedoch die Psychotherapeuten. Sie müssten sich mit einer minimalen Steigerung von 84 Cent pro Therapiesitzung seit 2009 begnügen. Bei Inflationsraten von jährlich ein bis zwei Prozent könnten sie dies nur durch Einschränkungen der Praxiskosten, der privaten Lebensführung und der Altersvorsorge ausgleichen. Praxispersonal einzustellen, sei mit diesen Einkommen kaum möglich.

Ohne eine Neiddebatte aufkommen lassen zu wollen: Die Kluft der Einkommen zwischen Ärzten und Psychotherapeuten wird immer größer. Die Einkommenssteigerungen der Ärzte sind zu begrüßen und setzen, wie der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. med. Andreas Köhler, sagt, ein „richtiges Signal“, um junge Ärzte für die Versorgung zu gewinnen. Denn an Nachwuchs mangelt es im hausärztlichen, im psychiatrischen, aber auch im ärztlich-psychotherapeutischen Fachgebiet.

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Die KBV und der Spitzenverband Bund der gesetzlichen Krankenkassen verhandeln derzeit über die Honorarentwicklung für die Ärzte und Psychotherapeuten im nächsten Jahr. Zu den Erkenntnissen des Statistischen Bundesamtes zum geringen Einkommen der Psychotherapeuten erklärte Köhler gegenüber PP: Die KBV wolle die Zahlen genau analysieren und etwaige Folgerungen daraus in die Verhandlungen einbringen.

Eine Anpassung der Vergütung der Psychotherapeuten an die Honorarumsätze der Ärzte ist dringend notwendig – alles andere wäre ungerecht.

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