ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2013Integration und Inklusion: Psychologen bieten Anregungen für die Zukunft

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Integration und Inklusion: Psychologen bieten Anregungen für die Zukunft

PP 12, Ausgabe September 2013, Seite 390

Rieser, Sabine

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Inklusion von Menschen mit Behinderung, Integration von Migranten, Partizipation aller Bürger an gesellschaftlichen Prozessen – diesen und anderen Aspekten von Einbeziehung und Teilhabe widmet sich der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) mit einem neuen Bericht. Auf 120 Seiten erläutern Fachleute ihre Positionen und stellen dar, welchen Stellenwert die Psychologie bei diesen Themen hat beziehungsweise haben könnte.

Inklusion an Schulen bedarf auch psychologischer Unterstützung für Lehrer, Kinder und Eltern. Foto: dpa
Inklusion an Schulen bedarf auch psychologischer Unterstützung für Lehrer, Kinder und Eltern. Foto: dpa

„Wenn wir Ungerechtigkeiten und Unsicherheiten nachhaltig verändern wollen, müssen wir gesellschaftlich und politisch umdenken. Voraussetzungen für Veränderungen sind, das Anderssein zu akzeptieren und zu verstehen, dafür einzutreten, jedem gute Chancen auf Teilhabe und Gesundheit einzuräumen“, betonte BDP-Vizepräsident Michael Krämer.

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Auf die Bemühungen um Inklusion behinderter Kinder in Regelschulen verwies Stefan Drews, Vorsitzender der Sektion Schulpsychologie des BDP. Er lobte den Ansatz, durch den gemeinsamen Unterricht behinderter und nichtbehinderter Kinder einen anderen Umgang miteinander zu fördern, warnte aber auch davor, die Schulen durch zu wenig Geld und eine zu geringe organisatorische Unterstützung zu überfordern. Lehrer, Kinder und Eltern benötigen seiner Auffassung nach Beratung und psychologische Unterstützung, damit Inklusion nicht an Unwissen, Widerstand und Überforderung scheitert.

Wenn es um Partizipation gehe, werde viel genörgelt, aber in zu geringem Umfang sinnvoll gehandelt – diese Auffassung vertrat der Psychologe Kazim Erdogan, dessen Verein „Aufbruch Neukölln“ mittlerweile bundesweit bekannt ist. Erdogan leitet Gruppen, in denen sich zunächst türkeistämmige, nun aber auch Väter und Männer unterschiedlicher Herkunftsländer im Berliner Problembezirk treffen und über ihren Alltag sowie ihre Rollenvorstellungen sprechen. Er verwies darauf, dass ein Großteil der Mütter in Neukölln alleinerziehend sei und den Kindern Väter als Erzieher und Rollenvorbilder fehlten. „Die Einbeziehung der Väter und Männer in die Bereiche Bildung und Erziehung ist für das friedliche Zusammenleben und für die Integration von größter Bedeutung“, schreibt Erdogan im BDP-Band. Er berichtete unter anderem, dass sich aus den Gruppen heraus die Bereitschaft entwickelt habe, sich ehrenamtlich im Kiez zu engagieren und beispielsweise Kindertagesstätten und Schulen zu unterstützen. In diesem Rahmen könnten die Männer ihre vielfältigen Qualifikationen einsetzen – und dafür sorgen, dass man in ihnen etwas anderes sehe als nur „Holzklötze Anatoliens“, wie Erdogan in Anspielung auf ein häufiges Klischee betonte. Rie

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