ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2013Gestalttherapie: Überblick der wesentlichen Wirkprinzipien

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Gestalttherapie: Überblick der wesentlichen Wirkprinzipien

PP 12, Ausgabe September 2013, Seite 427

Goßmann, Hans-Heinrich

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Die dritte Auflage ihres Lehrbuchs „Gestalttherapie“ hat die Autorin „schlanker und prägnanter“ gefasst. Sie gibt darin einen Überblick über die wesentlichen Wirkprinzipien, über entstehungs- und ideengeschichtliche Quellen, zum Beispiel Gestaltpsychologie, Psychoanalyse, Existentialismus und Phänomenologie.

Dem Text vorangestellt ist das „Ich und Du“
(I and Thou) Martin Bubers (1923). Es beschreibt ein zwischenmenschliches Feld, das vom Gegenüber als emotionale Nähe, als Gesehen- und Verstandenwerden und insgesamt als heilsame Zuwendung erlebt wird. Den Ergänzungspol dazu bildet die sachlich-beobachtende „Ich-Es“-Haltung, wie sie zum Beispiel in den Naturwissenschaften gefragt ist. – Die gestalttherapeutische Beziehung braucht beide Komponenten, jedoch die erstere mehr als die letztere. Die namensgebende Gestaltpsychologie ist eine der theoretischen Wurzeln der Gestalttherapie. Die Wahrnehmung mit ihrer Informations- und Erlebnisverarbeitung unterliegt nach außen und innen den Gestaltgesetzen. Sie lassen uns kontext- und bezugsystemabhängig begreifen. Auf neuere, neurophysiologische Erkenntnisse, die den Gestaltansatz bestätigen, wird verwiesen.

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Die Theoriekapitel befassen sich unter anderem mit der Bewusstheit, dem Hier-und-Jetzt, dem Kontakt-Phänomen, der Wachstums- und Verwandlungsdimension, dem humanistischen Menschenbild und der typischen Prozesserfahrungsweise.

Im Kapitel Krankheits- und Störungslehre heißt es, die Via regia in der Gestalttherapie sei das Offensichtliche, das Symptom. Das brauche hypothesenfreies Wahrnehmen. Oft seien Therapeuten verliebt in ihre Einfälle und verwechselten dann ihre persönliche Wahrheit mit der des Anderen. Gestalttherapeuten regen – in sokratischer Weise – die Selbstdeutung an.

Besonders faszinierend, anregend und praxisrelevant liest sich das Kapitel „Behandlungsmethodik“. Sonderkapitel gelten den psychosenahen und strukturschwachen Patienten, Menschen in Krisen, nach Trauma, mit Suchtproblematik, Jungen und Alten. Das sorgfältig bearbeitete Forschungskapitel mit internationalem Standard, das von Uwe Strümpfei verfasst worden ist, belegt die sehr hohe Wirksamkeit der Gestalttherapie bei guter Nachhaltigkeit. Hans-Heinrich Goßmann

Lotte Hartmann-Kottek: Gestalttherapie. 3. Auflage, Springer, Berlin 2012, 315 Seiten, gebunden, 44,95 Euro

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