ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2013Traumafolgestörungen: Differenziert, kompetent und umfassend

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Traumafolgestörungen: Differenziert, kompetent und umfassend

PP 12, Ausgabe September 2013, Seite 427

Weidner, Kerstin

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Die Auseinandersetzung mit Traumafolgestörungen hat in der Gegenwart eine politische, aber vor allem medizinische Brisanz. Traumatisierungen geschehen in verschiedenen sozialen Gefügen, historischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen und bewirken unterschiedliche kurz- und langfristige Folgen, die nach wie vor in der medizinischen Primärversorgung oft unerkannt bleiben. Komorbide psychische Störungen, psychosomatische Erkrankungen und sozialmedizinische Konsequenzen bei den betroffenen Personen sowie gravierende transgenerationale Auswirkungen sind die Folge, vor allem wenn keine zeitnahe spezialisierte Psychotherapie erfolgen konnte.

Die Herausgeber präsentieren ein umfangreiches Werk, welches das Thema komplexer Traumafolgestörungen sehr differenziert und kompetent in Diagnostik und Therapie darstellt.

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Theoretisches Basiswissen wird genauso vermittelt wie praktische Bezüge zu verschiedenen therapeutischen Settings, einschließlich der psychosomatischen und psychiatrischen Pflege bei Patienten mit komplexen Traumafolgestörungen. Die Besonderheit der Traumafolgestörungen im Kontext Migration, Genderspezifität und organisierter Gewalt wird dargestellt sowie praktisches psychotherapeutisches Wissen unter Berücksichtigung verschiedener Therapiemethoden zu Traumafolgestörungen bei Kindern und Jugendlichen, Patienten mit Behinderungen oder auch traumatisierten Flüchtlingen vermittelt. Ebenfalls behandelt werden Besonderheiten psychotherapeutischer Behandlung bei bestimmten komorbiden Störungsbildern wie Borderline-Persönlichkeitsstörung, dissoziative Störungen, Suchterkrankungen, Essstörungen, somatoforme Störungen und psychotische Erkrankungen. Die nächste Auflage sollte unbedingt um ein Kapitel zum Umgang mit schwangeren Traumatisierten ergänzt werden.

Mit diesem Werk ist den Herausgebern eine differenzierte umfassende und praxisorientierte Übersicht über die Komplexität von Traumafolgestörungen gelungen. National und international bekannte und wissenschaftlich renommierte Autoren sind in diesem Herausgeberwerk vertreten. Es sollte in jedes Bücherregal von ärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten, Psychiatern sowie Nervenärzten gehören und zu fachlicher und praktischer Auseinandersetzung mit der Thematik anregen. Aber auch für andere in die Therapie und Betreuung von traumatisierten Menschen involvierte Berufsgruppen ist es ein interessantes Nachschlagewerk. Kerstin Weidner

Martin Sack, Ulrich Sachsse, Julia Schellong (Hrsg.): Komplexe Traumafolgestörungen. Schattauer, Stuttgart 2013, 600 Seiten, gebunden, 69,99 Euro

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