ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2013Zahlreiche Interessenkonflikte
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Diese CME-Fortbildung verdeutlicht aus unserer Sicht die Problematik einer offensichtlich interessengeleiteten ärztlichen Fortbildung. Liest man den Artikel nämlich von hinten – beginnend bei den Interessenkonflikten – stellt man fest, dass alle sechs Autoren zahlreiche finanzielle Verflechtungen zur pharmazeutischen Industrie angeben.

Entsprechend kritisch gestimmt stolperten wir beim Lesen über einige interessante Aspekte:

  • Im Kasten 2 wird konstatiert, dass Angststörungen in der Primärversorgung zu 45 % nicht erkannt werden. Als Quelle hierfür wird auf eine 20 Jahre alte WHO-Untersuchung verwiesen, aus der die Autoren eine aktuelle Unterversorgung ableiten und somit dem Leser einen erheblichen Mehrbedarf an Diagnosestellungen und folglich auch Therapien suggerieren.
  • Bei den Therapieoptionen nennen die Autoren wiederholt Escitalopram (Cipralex) als Medikament der ersten Wahl, obwohl dieses nach aktueller Studienlage keinen Vorteil hinsichtlich patientenrelevanter Endpunkte bietet, wohl aber mehr als dreimal teurer als ein Citalopram-Generikum ist.
  • Auch ist die Platzierung von Pregabalin als Mittel der ersten Wahl bei der Therapie der Angststörung für uns erstaunlich. Der offensichtlich erwünschte Lerneffekt hinsichtlich Pregabalin wird durch die subtile Hervorhebung dieses Präparates im anschließenden Frageteil noch verstärkt. Die wiederholten Warnhinweise der Arznei­mittel­kommission der Deutschen Ärzteschaft zum Abhängigkeits- und Missbrauchspotenzial von Pregabalin finden keinerlei Erwähnung. Alle sechs Autoren geben an, Beziehungen zu Pfizer zu unterhalten, dem Hersteller von Lyrica (Pregabalin).

Fazit: Eine Transparenz der Interessenkonflikte allein genügt nicht. Wir brauchen als nächsten Schritt strengere Regeln bei der Erteilung von cme-Zertifizierungen durch die Ärztekammern und fordern das Deutsche Ärzteblatt als Zeitschrift der Ärzteschaft auf, ihr Fortbildungsangebot von wirtschaftlichen Interessen unabhängig zu gestalten.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0609a

Dr. med. Niklas Schurig, Bietigheim, schurig@mezis.de

Manja Dannenberg, Wismar

Interessenkonflikt

Beide Autoren sind Vorstandsmitglieder von MEZIS e.V. − Mein Essen zahl’ ich selbst

1.
Bandelow B, Boerner RJ, Kasper S, Linden M, Wittchen HU, Möller HJ: The diagnosis and treatment of generalized anxiety disorder. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(17): 300–10 VOLLTEXT
1.Bandelow B, Boerner RJ, Kasper S, Linden M, Wittchen HU, Möller HJ: The diagnosis and treatment of generalized anxiety disorder. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(17): 300–10 VOLLTEXT

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