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In ihrem CME-Artikel zum Thema generalisierte Angststörung bemängeln die Autoren, dass in der Primärversorgung 45 % solcher Störungen nicht erkannt würden. Einmal davon abgesehen, dass die für diese Behauptung als Beleg verwendete Arbeit 20 Jahre alt ist und sich in dieser Zeit in Diagnose und Behandlung von Angsterkrankungen einiges geändert hat – aus hausärztlicher Sicht erscheint der Prozentsatz von 55 % für die Erkennung von sich häufig ja somatisch präsentierenden Angststörungen in der Hausarztpraxis recht gut.

Als Medikamente erster Wahl werden SSRI, SNRI und Pregabalin empfohlen. Unter den SSRI wird vorrangig Escitalopram genannt. Zwischen Citalopram und dem deutlich teureren Escitalopram als linksdrehendem Isomer gibt es keine wissenschaftlich belegten relevanten Wirksamkeitsunterschiede. Dies wird von den Autoren nicht diskutiert. Dass darüber hinaus das für Pregabalin belegte Suchtpotenzial (1, 2) nicht einmal erwähnt ist, erscheint nahezu sträflich.

Beide Substanzen gehören zu denjenigen, deren Verordnung nach Veröffentlichungen der Kassenärztlichen Vereinigungen als unwirtschaftlich angesehen wird. Ihr Einsatz wäre bei medizinischen Vorteilen zu rechtfertigen, nicht aber, wenn solche fehlen.

Im British Medical Journal wurde vor zwei Jahren ein – methodisch weitaus wertvolleres als das hier vorgelegte Ergebnis einer selektiven Literaturrecherche – systematisches Review zum Thema Generalisierte Angsterkrankung veröffentlicht (3). Das Ergebnis: Fluoxetin ist hinsichtlich seiner Wirksamkeit, Sertralin hinsichtlich seiner Verträglichkeit zu bevorzugen. Diese Metaanalyse wurde von den Autoren nicht erwähnt.

Zusammenfassend handelt es sich hier um eine Publikation, die die Weihen eines cme-Fortbildungsbeitrages nicht verdient und den Geruch einer einseitigen Darstellung trägt.

Es ist erfreulich, dass die im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichenden Autoren inzwischen ihre Interessenkonflikte erklären müssen. Die stattliche Liste der zu diesem Artikel angegebenen lässt den Lesenden bereits ahnen, worin die Tendenz der Autoren ihre Ursache haben könnte.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0609b

Dr. med. Günther Egidi

Bremen

familie-egidi@nord-com.net

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Schwan S, Sundström A, Stjernberg E, et al.: A signal for an abuse liability for pregabalin results from the Swedish spontaneous adverse drug reaction reporting system. Eur J Clin Pharmacol 2010; 66: 947–53 CrossRef MEDLINE
2.
Caster O, Edwards IR, Noren G0N, Lindquist M: Earlier discovery of pregabalin’s dependence potential might have been possible. Eur J Clin Pharmacol 2011; 67:319–20 CrossRef MEDLINE
3.
Baldwin D, Woods R, Lawson R, Taylor D: Efficacy of drug treatments for generalised anxiety disorder: systematic review and meta-analysis BMJ 2011; 342: d1199 MEDLINE
4.
Bandelow B, Boerner RJ, Kasper S, Linden M, Wittchen HU, Möller HJ: The diagnosis and treatment of generalized anxiety disorder. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(17): 300–10 VOLLTEXT
1.Schwan S, Sundström A, Stjernberg E, et al.: A signal for an abuse liability for pregabalin results from the Swedish spontaneous adverse drug reaction reporting system. Eur J Clin Pharmacol 2010; 66: 947–53 CrossRef MEDLINE
2.Caster O, Edwards IR, Noren G0N, Lindquist M: Earlier discovery of pregabalin’s dependence potential might have been possible. Eur J Clin Pharmacol 2011; 67:319–20 CrossRef MEDLINE
3.Baldwin D, Woods R, Lawson R, Taylor D: Efficacy of drug treatments for generalised anxiety disorder: systematic review and meta-analysis BMJ 2011; 342: d1199 MEDLINE
4.Bandelow B, Boerner RJ, Kasper S, Linden M, Wittchen HU, Möller HJ: The diagnosis and treatment of generalized anxiety disorder. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(17): 300–10 VOLLTEXT

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