ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2013Fachliche und ethische Kritik
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Der Artikel hat mich in fachlicher und ethischer Hinsicht bewogen, Kritik zu äußern. Fachlich übe ich Kritik an der Einstufung der Psychotherapie als lediglich „zusätzliche Behandlung“ (Zitat). Dies suggeriert, dass die medikamentöse Behandlung an erster Stelle stehe. Metastudien widersprechen dem. Sie kommen genau zum umgekehrten Ergebnis.

Kritik übe ich an der Empfehlung von Escitalopram, das als nicht innovative, völlig überteuerte Abwandlung von Citalopram auf den Markt kam. Zahlreiche Krankenkassen erstatten inzwischen für das Medikament keine Kosten mehr. Im übrigen verweise ich auf die vielen möglichen unerwünschten Wirkungen der aufgeführten SSRI-Antidepressiva (Escitalopram, Paroxetin und Venlafaxin), wie zum Beispiel die erhöhte Suizidalität und Entzugserscheinungen. Duloxetin und Pregabalin sind ebenfalls äußerst kritisch zu beurteilen. Die als zweite Wahl angegebenen Medikamente gelten als überholt. Die unerwünschten Wirkungen der als atypisch geltenden hochpotenten Neuroleptika Quetiapin und Olanzapin, gerade für Patienten, die älter als 65 Jahre sind, sind ganz ausgespart. Die Verordnung von Benzodiazepinen ist hier als Kunstfehler anzusehen. An unserer Klinik hat sich die Verordnung von Promethazin in Einzelfällen als positiv und ausreichend erwiesen. Auf Antidepressiva und hochpotente Neuroleptika konnten wir ganz verzichten. Umfassendere Informationen zu den propagierten Medikamenten sind unter anderem in dem „Arzneimittelkursbuch“ nachzulesen.

In ethischer Hinsicht ist es für mich ein Skandal, dass alle aufgeführten Medikamente von den Pharmafirmen stammen, für die die Autoren Interessenkonflikte angegeben haben.

Für mich unverständlich veröffentlicht das Deutsche Ärzteblatt einen eindeutigen Werbeartikel für Pharmaunternehmen als cme-Fortbildung, das heißt im Sinne einer Behandlungsleitlinie, was viele Kollegen voraussichtlich nicht so wahrnehmen werden. Fortbildung und Leitlinien müssen von sogenannten Interessenkonflikten frei sein (§ 95d SGB V).

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0610b

Dr. med. Wolf Müller

Hiddenhausen

muebawo@web.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Bandelow B, Boerner RJ, Kasper S, Linden M, Wittchen HU, Möller HJ: The
diagnosis and treatment of generalized anxiety disorder. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(17): 300–10 VOLLTEXT
1.Bandelow B, Boerner RJ, Kasper S, Linden M, Wittchen HU, Möller HJ: The
diagnosis and treatment of generalized anxiety disorder. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(17): 300–10 VOLLTEXT

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