ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2013Unerwähnte Behandlungsoption
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Wir möchten ergänzend auf die intrakavitäre Radionuklidtherapie mit kolloidalen β-Strahlern als Therapiemöglichkeit hinweisen. Bei diesem Verfahren wird durch intrapleurale Radionuklid-Injektion eine gezielte Bestrahlung von Pleuraepithel- und Karzinose-Zellen mit optimaler Eindringtiefe (überwiegend < 5 mm) und konsekutiver Abnahme der Ergussbildung erreicht. Vorteil: Schmerzloses, komplikationsarmes Verfahren mit hoher Wirksamkeit und – anders als bei chemischer Pleurodese – lokaler antineoplastischer Komponente.

Obwohl in den letzten Jahren keine Originalarbeit mehr zu dieser Methode erschien, besteht sie weiterhin und zeichnet sich durch eine gute Verträglichkeit und Wirksamkeit aus (1, 2). Bei Verwendung der β-Strahler Y-90 oder P-32 (in kolloidaler Verbindung) wurden hohe Remissionsraten von deutlich > 80 % beschrieben (3). Limitierend wirkten im historischen Rückblick nach anfänglich großer Beliebtheit der relativ hohe Aufwand und die beschränkte Verfügbarkeit, die mindestens 2-tägige stationäre Unterbringung in einer nuklearmedizinischen Einrichtung nach Strahlenschutzvorgabe. Durch die Einführung einfacher, nicht-radioaktiver Behandlungsalternativen trat das nuklearmedizinische Verfahren zunehmend in den Hintergrund und schließlich nahezu gänzlich aus der Wahrnehmung onkologisch tätigen Kollegen. Da jedoch die neueren Verfahren (Talkum, Tetrazyklin, Doxyzyklin) mitunter nebenwirkungsreich oder im Einzelfall erfolglos sein können, ist die Kenntnis über die zwar etwas aufwändige, für den Patienten jedoch einfache und gut verträgliche nuklearmedizinische Option hilfreich.

Es ist uns daher ein Anliegen, auf das Verfahren aufmerksam zu machen. Das Y-90-Kolloid-Therapiepräparat kann in jeder nuklearmedizinischen Institution mit entsprechender Umgangsgenehmigung, Expertise und vorhandener Therapiestation verabreicht werden.

Zusammenfassend stellt die beschriebene Radionuklid-Methode eine zu Unrecht in Vergessenheit geratene, effektive und nebenwirkungsarme Behandlungsalternative bei refraktärem malignem Pleuraerguss dar. Uns erscheint es wichtig, an die im Einzelfall durchaus wertvolle, palliative Behandlungsoption zu erinnern.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0612a

PD Dr. med. Samer Ezziddin

Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Biersack

Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin,Uniklinik Bonn

samer.ezziddin@ukb.uni-bonn.de

1.
Biersack HJ, Bender H: Nuklearmedizinische Therapie in der Onkologie: Intrakavitäre Nuklidtherapie. Stuttgart: MMP-Verlag 2004.
2.
Aulbert E, Nauck F, Radbruch L: Lehrbuch der Palliativmediziin. Stuttgart: Schattauer Verlag 2011 MEDLINE
3.
Austgen M: Palliative Therapie tumorbedingter Pleuraergüsse mit Radioisotopen. [Palliative therapy of tumor-induced pleural effusions with radioisotopes]. Pneumologie 1989; 43: 88–91 MEDLINE
4.
Ried M, Hofmann HS: The treatment of pleural carcinosis with malignant pleural effusion. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(18): 313–8 VOLLTEXT
1.Biersack HJ, Bender H: Nuklearmedizinische Therapie in der Onkologie: Intrakavitäre Nuklidtherapie. Stuttgart: MMP-Verlag 2004.
2.Aulbert E, Nauck F, Radbruch L: Lehrbuch der Palliativmediziin. Stuttgart: Schattauer Verlag 2011 MEDLINE
3.Austgen M: Palliative Therapie tumorbedingter Pleuraergüsse mit Radioisotopen. [Palliative therapy of tumor-induced pleural effusions with radioisotopes]. Pneumologie 1989; 43: 88–91 MEDLINE
4.Ried M, Hofmann HS: The treatment of pleural carcinosis with malignant pleural effusion. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(18): 313–8 VOLLTEXT

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