ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2013Dialog in Frankfurt und Düsseldorf: Zwischen Frust und Lob

POLITIK

Dialog in Frankfurt und Düsseldorf: Zwischen Frust und Lob

Dtsch Arztebl 2013; 110(37): A-1662 / B-1470 / C-1447

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Ärztinnen und Ärzte sprachen mit dem DÄ über vier Jahre schwarz-gelbe Gesundheitspolitik und ihre Erwartungen an die neue Regierung.

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Er sei frustriert von der Gesundheitspolitik, meint Dr. med. Michael Goroncy, Kinderarzt aus Taunusstein. Jede Regierung habe in der Vergangenheit nur Flickschusterei betrieben. Das sei auch unter Daniel Bahr nicht anders gewesen. „Wir verlieren immer mehr sozial engagierte Ärzte.“ Ärzte, die sich für ihre Kassenpatienten einsetzten, seien verraten und verkauft. Er jedenfalls sei es leid, wegen möglicher Nichteinhaltung seines Budgets ständig am Pranger zu stehen.

Ein gutes Zeugnis für den amtierenden Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter stellt Dr. med. Martin Fabritz, Allgemeinarzt aus Neunkirchen, aus: „Daniel Bahr hat die richtigen Weichen hin zu mehr Freiberuflichkeit und weniger Staatsdirigismus gestellt und zeigt mit seinem Auftritt hier in Frankfurt, dass er sich den Fragen und Sorgen der Ärzteschaft stellen will.“ Unter der jetzigen Regierung sei es zudem erstmals wieder gelungen, dass die Krankenkassen Überschüsse erwirtschaftet haben. Für die kommende Legislaturperiode wünscht sich Fabritz, dass endlich die GOÄ-Novelle umgesetzt wird.

Die ambulante psychotherapeutische Versorgung durch Ärzte wird von der Gesundheitspolitik vernachlässigt, findet Dr. med. Gabriele Friedrich-Meyer, ärztliche Psychotherapeutin in Bonn. Die neue Bedarfsplanung weite die Niederlassungsmöglichkeit für Psychologische Psychotherapeuten aus, eine dauerhafte Quotenregelung für die ärztlichen Psychotherapeuten fehle aber nach wie vor. Außerdem könnten sich die Niederlassungsmöglichkeiten für ärztliche Psychotherapeuten durch die gesetzlich vorgesehenen psychosomatischen Institutsambulanzen verschlechtern. Diese hätten Anspruch auf eine bedarfsunabhängige Ermächtigung, würden aber nach der neuen Bedarfsplanungsrichtlinie bei der Bedarfsermittlung für die niedergelassenen Ärzte berücksichtigt. „Insofern bin ich nicht zufrieden mit der Politik.“

„Minister Bahr hat bis jetzt kein schlechtes Verhältnis zu uns Ärzten gehabt“, sagt Dr. med. Heidemarie Pankow-Culot, Kinderärztin aus Heiligenhaus. Wirklich zufrieden mit dessen Gesundheitspolitik ist sie jedoch nicht. Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte habe sie viel Geld gekostet, der neue EBM stelle keine große Verbesserung dar, und bei der Novellierung der GOÄ herrsche immer noch Stillstand. „Da fühle ich mich schon ein bisschen im Stich gelassen“, sagt Pankow-Culot. Von der künftigen Regierung erwartet sie, dass sie das Problem des Ärztemangels anpackt und für Honorargerechtigkeit sorgt. „Und ich möchte vor allem die Freiheit haben, meine Patienten so zu behandeln, wie ich das für richtig halte, ohne dass mir eine Krankenkasse über die Schulter schaut.“

„Ich glaube, dass jeder andere denkbare Ge­sund­heits­mi­nis­ter wesentlich schlimmer wäre, allen voran der Herr mit der Fliege [gemeint ist Prof. Dr. med. Karl Lauterbach von der SPD, die Redaktion]“, sagt Dr. med. Reinhard Kennemann, Kinderarzt in Essen. Er hält es für die Pflicht des künftigen Ge­sund­heits­mi­nis­ters, dafür zu sorgen, dass nach beinahe 30 Jahren die GOÄ „in ähnlicher Weise angepasst wird wie beispielsweise die Einkommen der Abgeordneten oder anderer Politiker“.

„Ich hätte mir mehr Dialog und weniger Politfloskeln gewünscht“, sagt Dr. med. Mirjam Rang, Radiologin aus Frankfurt, über die Veranstaltung mit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr. So habe der Auftritt doch einen Hauch von Wahlkampf bekommen. Dennoch wünscht sich Rang, dass Bahr auch nach der Wahl im Amt bleibt – mangels besserer Alternativen. Von der künftigen Regierung erhofft sie sich die Einführung von Modellen zur Kostenerstattung.

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