ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2013Nierentransplantation: RNA-Moleküle lassen Abstoßung früh erkennen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Nierentransplantation: RNA-Moleküle lassen Abstoßung früh erkennen

Dtsch Arztebl 2013; 110(37): A-1685 / B-1491 / C-1466

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Bei circa 10 bis 15 % der Patienten mit einer fremden Niere kommt es innerhalb des ersten Jahres nach der Operation zu einer Abstoßungsreaktion. Erst die Verschlechterung der Nierenfunktion und eine folgende Punktion ermöglichen die Diagnose. Seit längerem suchen Forscher nach Biomarkern im Urin oder im Blut, mit denen sich eine Abstoßung frühzeitig erkennen lässt und auf eine invasive Diagnostik verzichtet werden kann.

Ein Forscherteam aus der Studiengruppe Clinical Trials in Organ Transplantation (CTOT-04) in den USA hat nun Biomarker im Urin identifiziert, die eine Transplantatabstoßung frühzeitig erkennen lassen: Es sind dies zwei mRNA-Moleküle, die immunrelevante Proteine kodieren (CD3ε und Interferon-induzierbares Protein 10 [IP-10]), und 18S rRNA, die RNA der kleineren Untereinheit der Ribosomen. Die in der CTOT-04-Studie gewählten Biomarker waren in einer Voruntersuchung mit Abstoßungsreaktionen assoziiert.

Die Forscher untersuchten 4 300 Urinproben von 485 Patienten, bei welchen die Transplantation drei Tage bis ein Jahr zurücklag. Mit Hilfe der Biomarkermuster konnten die Wissenschaftler Transplantatabstoßungen sehr zuverlässig diagnostizieren, ohne dass Harnwegsinfektionen das Ergebnis beeinflussten. Die Biomarker zeigten die Abstoßung bereits 20 Tage vor einer histopathologischen Sicherung der Diagnose. Die Validierung der Daten durch externe Bewerter ergab eine Spezifität von 72 % (95-%-Konfidenzintervall [KI] 62 bis 83 %) und eine Sensitivität von 71 % (95-%-KI 53 bis 89 %).

Dies könnte nach Ansicht der Arbeitsgruppe ein bedeutender Zeitgewinn für die Anpassung der immunsuppressiven Therapie sein. Das Muster der Biomarker ließ auch eine Differenzierung der Abstoßungsart zu: Akute zellvermittelte und antikörpervermittelte Abstoßungen ließen sich unterscheiden.

Fazit: Einige wenige Nukleinsäureabschnitte, die aus dem Urin isolierbar sind, eignen sich einer aktuellen klinischen Studie nach als Biomarker für die Früherkennung akuter zellulärer Rejektionen nach Nieren-allotransplantation: Sie ermöglichen damit eine präemptive Anpassung der Medikation zur Abstoßungsprophylaxe, bevor irreversible Gewebeschäden auftreten. „Da sich die Differenzialtherapie derzeit an der histologischen Klassifikation orientiert, wird man bis auf Weiteres in den meisten Fällen nicht auf eine Transplantatbiopsie verzichten können“, meint Dr. med. Wolfgang Arns, Leiter des Transplantationsprogramms an den Kliniken der Stadt Köln in Köln-Merheim.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Suthanthiran M, Schwartz JE, Ding R, et al.: Urinary-cell mRNA profile and acute cellular rejection in kidney allografts. NEJM 2013; 369: 20–31.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige