ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2013Art Basel 2013: Champagner in der Favela

KULTUR

Art Basel 2013: Champagner in der Favela

Dtsch Arztebl 2013; 110(37): A-1695 / B-1501 / C-1475

Jaeschke, Helmut

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Mit der Vorstellung junger, noch unbekannter Künstler verhielten sich die etablierten Galerien eher zurückhaltend.

Foto: Gerda Jaeschke
Foto: Gerda Jaeschke

Die jeweilige Großskulptur beziehungsweise Installation vor dem Eingangsbereich der Art Basel ist jedes Jahr ein imposanter Blickfang, der die Erwartungen an die Messe beflügelt. Die diesjährige Idee, vor den 360 Millionen Euro teuren Neubau der Messehalle 1 von Herzog & de Meuron eine südamerikanischen Favelas nachempfundene Cafe- und Champagnerbar zu setzen, kann nur als geschmacklos, wenn nicht gar zynisch bezeichnet werden. Angenommen wurden die vom japanischen Künstler Tadashi Kawamata entworfenen Bretterhäuschen jedenfalls wie die in allen Großstädten beliebten temporären Strandbars, und es bleibt zu bezweifeln, ob die Gäste beim Glas Champagner für 17 Schweizer Franken über die Armut in Südamerika nachgedacht haben.

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Hohe Messekosten

Viel wichtiger war den 70 000 Besuchern sicherlich, ob auch diesmal das Angebot der mehr als 300 Galerien so reichhaltig wie immer sein würde und wo die Schwerpunkte liegen würden. Wer an Bildern der Kunstmarktstars Gerhard Richter, Anselm Kiefer, Jeff Koons und Damien Hirst interessiert war, der wurde fündig bei den weltweit agierenden Galerien Gagosian, David Zwirner und Galerie Ropac. Sie hatten allesamt ihren angestammten Platz im Erdgeschoss der Halle 2 inne. Nach Angaben der Messeleitung fanden oberhalb der Millionengrenze neun Werke an der Art Basel einen neuen Besitzer.

Eher zurückhaltend verhielten sich die etablierten Galerien mit der Vorstellung junger noch unbekannter Künstler. Auffällig auf dieser Kunstmesse war eine Tendenz, lange Zeit vergessene Künstler, wie die 1984 verstorbene US-amerikanische realistische Malerin Alice Neel, für den Kunstmarkt wiederzuentdecken zu Preisen bis zu 800 000 US-Dollar (bei Galerie David Zwirner, New York, und Galerie Scheibler, Berlin).

Die Galerien in der ersten Etage, die die jungen, am Markt noch nicht so etablierten Künstler vertraten, waren nicht alle mit dem Messegeschäft zufrieden. Die Galerie Skopia, Genf, konnte mit Verkäufen von Gemälden Thomas Hubers punkten, und Anton Kern aus New York verkaufte acht dreidimensionale Collagen von John Bock für jeweils 5 500 Dollar. Auch Galerien, die im Markt bereits etablierte Künstler anbieten konnten, hatten keine Probleme: Ein frühes Gemälde von Peter Doig war bereits beim Preview für 500 000 Euro vergeben (Galerie Contemporary Fine Arts, Berlin). Nicht immer jedoch reichten die Verkäufe, um die hohen Messekosten zu decken.

Interessante Entdeckungen

Da hatten es Galerien, die auf einer der vier Nebenmessen zugelassen waren, oft besser getroffen. Die Kosten waren niedriger und der Besucherandrang infolge Shuttleverkehrs ebenfalls hoch. Und dort konnte man interessante Entdeckungen machen. Die Galerie Martin Kudlek, Köln, zeigte auf der Volta Show die teilweise verstörenden, aber durchweg faszinierenden Skulpturen und Rauchzeichnungen der 40-jährigen belgischen Künstlerin Sofie Muller. Mehrere Arbeiten fanden schnell Liebhaber. So wurden die meisten Arbeiten von Eckart Hahn bei der Galerie Rothamel, Erfurt (Volta Show), und Galerie Pablo’s Birthday, New York (Solo Project), verkauft, obwohl die Preise bei Eckart Hahn nach diversen Museumsausstellungen angezogen haben. Die nächste Art Basel findet vom 19. bis 22. Juni 2014 statt. Informationen: www. artbasel.com.

Dr. med. Helmut Jaeschke

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