ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2013EKG-Navigationssystem: Akute Infarktpatienten besser versorgen

TECHNIK

EKG-Navigationssystem: Akute Infarktpatienten besser versorgen

Dtsch Arztebl 2013; 110(37): A-1696 / C-1476

Meister, Sven; Michels, Guido

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Durch die intelligente Verarbeitung und Verteilung von EKG-Daten mittels etablierter Kommunikationstechnologien lässt sich die Kommunikation zwischen Notarzt, Klinikarzt und dem Herzkatheterteam optimieren – zum Nutzen des Patienten.

Das EKG wird per Knopfdruck an die informationslogistische Infarktzentrale gesendet. Foto: ENAS-Infarktzentrale
Das EKG wird per Knopfdruck an die informationslogistische Infarktzentrale gesendet. Foto: ENAS-Infarktzentrale

Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen circa vier Millionen Todesfälle jährlich in Europa. In Deutschland beträgt die Todesrate hierfür etwa 40 Prozent. Innerhalb dieser Gruppe ist der Herzinfarkt, mit mehr als 25 Prozent, eine der häufigsten Todesursachen. Auf Initiative des Kölner Infarkt Modells e.V. und in enger Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST, Dortmund, sowie dem Herzzentrum des Universitätsklinikums Köln wurde ein praxisnahes System entwickelt, das über eine telemetrische Analyse des Elektrokardiogramms (EKG) eine sichere und frühzeitige Diagnose des Herzinfarktes sowie eine Vereinfachung des Versorgungsprozesses ermöglicht.

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Sobald der Notarzt vor Ort die Verdachtsdiagnose eines akuten Myokardinfarkts gestellt hat, startet das notfallmedizinische Organisationsmanagement. Nach den aktuellen internationalen Leitlinien ist die perkutane Koronarintervention die zu bevorzugende Reperfusionstherapie für Patienten mit einem ST-Hebungsinfarkt (STEMI). Die Basis zur Notfallversorgung von STEMI-Patienten innerhalb der Region Köln hat der Verein Kölner Infarkt Modell e.V. definiert. Dieser Prozess beansprucht erfahrungsgemäß einen Teil des für den Patienten kritischen Zeitintervalls bis zur Wiedereröffnung des verschlossenen Infarktgefäßes.

Hier setzt das EKG-Navigationssystem „ENAS“ an, indem es den Informationsaustausch koordiniert. Nachdem der Notarzt die klinische Verdachtsdiagnose Herzinfarkt gestellt hat, muss innerhalb von zehn Minuten ein EKG abgeleitet werden. Das EKG wird per Knopfdruck an die informationslogistische ENAS-Infarktzentrale gesendet. Hierbei handelt es sich um eine neu entwickelte Software zur Anbindung von EKG-Geräten und zur intelligenten Verteilung von EKG-Anfragen.

Anhand eines regelbasierten Systems wird entschieden, welche Interventionsklinik (Klinik mit 24-Stunden-Herzkatheterbereitschaft) die Anfragen erhalten soll. Hierzu werden die Daten so aufbereitet, dass diese per Smartphone abrufbar sind. Der jeweils diensthabende Klinikarzt prüft, ob einerseits die EKG-Verdachtsdiagnose eines STEMI bestätigt werden kann und andererseits die entsprechende Klinik aufnahmebereit ist (Bettenkapazität?). Für seine Rückantwort an den Notarztwagen genügt eine Bestätigung auf seinem Smartphone-Bildschirm.

Informationsaustausch ohne Zeitverlust

Die informationslogistische Infarktzentrale sendet diese Informationen ohne Zeitverlust an den Rettungsdienst vor Ort, so dass die Interventionsklinik umgehend angefahren werden kann. Durch den Einsatz des Systems können sich die Akteure am Notfallort somit vollständig auf die Versorgung des Infarktpatienten konzentrieren.

ENAS unterstützt dabei als „telemedizinisches Tool“ die Versorgung der Infarktpatienten. Durch intelligente Verarbeitung und Verteilung von EKG-Daten mittels etablierter Kommunikationstechnologien (Infarktzentrale) wird die Kommunikation zwischen Notarzt, Klinikarzt und dem Herzkatheterteam optimiert und in der Folge das Notfallmanagement verbessert.

Seit dem 1. Februar 2013 befindet sich ENAS in der Prä-Pilotierung. Bis Ende Mai wurden 15 Realdatensätze damit erfasst und verarbeitet. Zudem wurden 40 Testdatensätze zur Aktivierung der Strukturen im Interventionszentrum versendet. Die Evaluation ergab, dass eine stabile Kommunikation technisch möglich ist. Die Nutzung von Smartphones aufseiten des Interventionszentrums findet Akzeptanz, erfordert jedoch eine klare Definition zur Integration der neuen Abläufe in bestehende Prozesse. An die Prä-Pilotierung schließt sich jetzt die sechsmonatige Pilotphase an.

Aufgrund der geringen technologischen Anforderungen lassen sich auch ältere Systeme an die informationslogistische ENAS-Infarktzentrale anbinden. Unter Berücksichtigung des kommunalen Kostendrucks sind somit keine Mehrinvestitionen für die Neuanschaffung von Geräten nötig.

Sven Meister, Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST

Dr. med. Guido Michels, Klinik III für Innere Medizin, Herzzentrum Uniklinik Köln

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